Kurt Beck will "nah bei den Menschen sein"
Porträt: Kurt Beck

"Nah bei den Menschen sein" nannte Kurt Beck als Markenzeichen im Wahlkampf. Mit dieser Linie hatte er Erfolg: Am Sonntag wurde er klar als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident bestätigt.

afp MAINZ. Trotz der in greifbarer Nähe scheinenden absoluten Mehrheit der Landtagssitze bekannte er sich gleich zur Fortsetzung der derzeit einzigen sozial-liberalen Koalition in Deutschland. Die Zusammenarbeit werde weiter "fair und sauber" ablaufen, nachdem SPD und FDP schon in den vergangenen Jahren stets anständig miteinander umgegangen seien. Damit wurde Beck auch im Moment des Triumphs seinem Ruf gerecht: dem des bodenständigen Politikers, dem im Gegensatz zu vielen anderen Länder-Regierungschefs auch der Drang zu höheren Aufgaben auf Bundesebene eher fremd zu sein scheint.

"Gut für unser Land", stand auf den Wahlplakaten, auf denen der vollbärtige Sozialdemokrat freundlich lächelnd zu sehen ist. Angesichts guter Umfragewerte konnte sich der 52-Jährige, der sein Heimatland seit mehr als sechs Jahren regiert, Gelassenheit auch erlauben. Bei Wahlkampfauftritten in Einkaufszonen, Bürgerhäusern oder großen Hallen sprach er über die drittgünstigste Arbeitslosenquote im Ländervergleich, die geplante Einführung von Ganztagsschulen oder die Steuerreform der rot-grünen Bundesregierung. Die politischen Gegner fasste Beck zurückhaltend an: Die Kampagne von CDU-Herausforderer Christoph Böhr etwa gegen den grünen Umweltminister Jürgen Trittin habe ihn "etwas bedrückt", sagte er am Wahlabend - immerhin hätten dort "Demokraten und NPD-Leute nebeneinander gestanden".

Koalitionsarithmetik wird der gelernte Elektromechaniker Beck nun kaum brauchen. Mit der FDP verfügt er über einen Partner, bei einem Scheitern der Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde könnte er womöglich ganz allein regieren. SPD und FDP stellen indes seit zehn Jahren die Landesregierung. Der erste rheinland-pfälzische Ministerpräsident aus den Reihen der SPD wurde 1991 der heutige Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping. Beck stand ihm als Fraktionschef zur Seite. Als Scharping den SPD-Bundesvorsitz übernahm und Kanzlerkandidat wurde, rückte sein loyaler Helfer 1994 in Rheinland-Pfalz nach. Auf einem Landesparteitag im Dezember 1993 wählten die Delegierten Beck zum Vorsitzenden. Im Oktober 1994 trat er auch als Ministerpräsident die Nachfolge Scharpings an und wurde erstmals bei der Landtagswahl 1996 im Amt bestätigt.

Im Mainzer Landtag sitzt Beck seit 1979. Bereits 1972, als er gerade auf dem zweiten Bildungsweg den Realschulabschluss nachholte, war er in die SPD eingetreten. Obwohl es ihn sieben Jahre später in die Landeshauptstadt zog, blieb er eng mit seiner südpfälzischen Heimatstadt Steinfeld verbunden. Von 1989 bis 1994 war er dort Ortsbürgermeister, noch heute wohnt der Familienvater in Steinfeld und lädt regelmäßig zu einer Bürgersprechstunde ins eigene Zuhause ein. So oft wie möglich zieht es den Fußballfan auch auf den Betzenberg, um die Heimspiele des 1. FC Kaiserslautern zu verfolgen.

Jeder solle wissen, dass er sich an diesen Ministerpräsidenten wenden könne, sagt Beck gerne. Wenn er dann bei einer Wahlkampf-Veranstaltung auch noch vom Dirigenten des heimischen Gesang- und Musikrings als «Pfälzer Junge» bezeichnet wurde, passt das ins Bild, das Beck von sich selbst zeichnet: Ich bin einer von euch, scheint er den Menschen vermitteln zu wollen. Dass manche dabei gelegentlich Ecken und Kanten vermissten, dürfte ihn am Sonntag nicht wirklich gestört haben.

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