Kurz-Botschaften erobern die Büros
Instant Messaging begeistert Profis

Computerbenutzer in den Unternehmen haben ihre Liebe zu Instant Messaging entdeckt. Dabei handelt es sich um schnelle Kurzbotschaften, die sofort nach dem Abschicken auf dem Bildschirm des Empfängers aufploppen.

HB DÜSSELDORF. Nach dem Erfolg der Kurzbotschaften bei privaten Benutzern scheint der Durchbruch im Profimarkt bevorzustehen: Fast drei Viertel aller beruflichen Computeranwender werden in zwei bis drei Jahren auch Instant Messaging benutzen. Das prognostizieren die Analysten der Gartner Group. IDC geht von 200 Millionen Business-Anwendern in den nächsten vier Jahren aus, Nielsen/Netrating hat Mitte vergangenen Jahres alleine in den USA bereits knapp 13 Millionen Benutzer gezählt. Bislang flitzen Instant Messages vor allem in US-Unternehmen durch die Netze.

In Deutschland zählt Daimler-Chrysler zu den Pionieren. Dort arbeitet heute jeder zehnte Mail-Benutzer auch mit dem Lotus-Produkt Sametime, das den Austausch von Kurzbotschaften ermöglicht. In der Chrysler-Group in den USA ist für die 10 000 Anwender das Instant Messaging kostenlos, während in Europa der Abteilung 1,20 Euro Kosten pro Nutzer und Monat berechnet werden.

Eingesetzt wird Instant Messaging immer dann, wenn selbst E-Mails zu langsam wären: "Instant Messaging wird verwendet, wenn man einen Kollegen schnell etwas fragen muss und Hilfe braucht", so Dietrich W. Schreiner, Bereichsleiter E-Collaboration im IT-Management von Daimler-Chrysler. Bislang habe vor allem der IT-Bereich die schnelle Kommunikationsform genutzt, so Schreiner, aber ein Ausbau sei geplant: "Wir prüfen es derzeit für den Kommunikationsbereich sowie den im Einkauf."

So könnten Einkäufer schnell intern klären, ob es Alternativen zu Lieferanten gibt, oder vertragliche Fragen erörtern. Schreiner rechnet konzernweit mit 40 000 Sametime- Nutzern in den nächsten zwei bis drei Jahren, von denen die Hälfte auch die Chat-Funktion verwenden werde. Auch für den Kontakt zum Kunden könnte sich Schreiner den Einsatz vorstellen, gibt aber zu bedenken, dass "im Moment die dahinter stehenden Prozesse noch sehr komplex sind".

Andere Anwender werden - neben Sicherheitsfragen - im Moment noch von ganz banalen Dingen abgeschreckt. Denn anders als bei E-Mails erreicht die Post nicht unbedingt jeden Empfänger. Das Problem: Jedes Instant-Messaging- System versteht in der Regel nur die Botschaften, die aus der eigenen Welt kommen. Anbieter wie Microsoft, Yahoo und AOL versprechen zwar schon seit längerem Abhilfe, einigten sich aber noch nicht auf allgemein gültige Austauschstandards. Vielleicht motivieren bezahlte Angebote Hersteller zu einer Annäherung. "Wir erwarten, dass bezahlte Lösungen dazu führen werden, dass einige der offenen Fragen wie Interoperabilität und Standardisierung gelöst werden", meint etwa Ken Hickman, Direktor für Produktstrategien bei Yahoo Enterprise Solutions.

Für die amerikanische Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission war die Öffnung der Produkte gar eine Bedingung für den Merger zwischen AOL und Time Warner. Druck machen aber auch große Banken, die sich in der Financial Services Instant Messaging Association (Fima) zusammengeschlossen haben. Zu den Initiatoren gehören Credit Suisse First Boston, Deutsche Bank, J.P. Morgan Chase, Lehman Brothers, Merrill Lynch, Morgan Stanley und UBS Warburg. Der Verband will die Messaging-Anbieter dazu bringen, dass diese interoperable Netze anbieten.

"Wirklich wertvoll wird Instant Messaging, wenn es ein Bestandteil der Unternehmensanwendungen wird", meint Jeremy Dies, Manager für Instant Messaging bei Lotus. Ähnliche Funktionalitäten wie Lotus bietet Suns Iplanet Portal Server. Wenn die Großen nun noch beim Thema Interoperabilität nachlegen, dürfte es für kleinere Open- Source-Konkurrenten schnell eng werden.

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