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Kurz nach Waffenruhe zwei Tote bei Anschlag in Jerusalem

Die Täter gehören vermutlich einer militanten Palästinenserorganisation an. Ob der Waffenstillstand trotzdem in Kraft tritt, war zunächst nicht klar.

dpa JERUSALEM/GAZA. Nur wenige Stunden nach Vereinbarung einer neuen Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern sind am Donnerstag bei einem Autobombenanschlag in West-Jerusalem zwei Passanten getötet und zehn verletzt worden. Der Sprengkörper detonierte nahe dem belebten Markt von Machane Jehuda. Israels Ministerpräsident Ehud Barak verurteilte den Anschlag. Es war bereits das zweite Attentat auf den Markt. Bei einem Selbstmordanschlag palästinensischer Extremisten am 30. Juli 1997 waren insgesamt 18 Menschen getötet worden.

Der israelische Rundfunk meldete, ein Opfer der Auto-Bombe, eine junge Frau, sei die Tochter einer "bekannten Persönlichkeit" in Israel. Der zweite Tote sei ein jüdischer Mann, hieß es. Die Polizei ging davon aus, dass der oder die Attentäter entkommen konnten. Hinter dem Anschlag wurden palästinensische Extremisten vermutet, die die Friedens-Bemühungen in der Region boykottieren wollten. Ein Sprecher der radikalislamischen Hamas-Bewegung in Gaza begrüßte den Anschlag.

In der Nacht zum Donnerstag hatten sich der israelische Regional- Minister Schimon Peres und Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Gaza auf eine Waffenruhe zur Beendigung der seit fünf Wochen andauernden blutigen Unruhen verständigt. Die Explosion ereignete sich knapp eine Stunde, bevor Barak und Arafat hierzu im Rundfunk eine identische Erklärung verlesen wollten. Am Abend war unklar, ob dies noch am Donnerstag stattfinden sollte.

Die Bundesregierung äußerte sich äußerst besorgt über den Terroranschlag in Jerusalem und die "drohende neue Eskalation von Gewalt". "Die Parteien dürfen sich unter keinen Umständen in dieser Situation vom begonnenen Weg des Friedens abbringen lassen", sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer am Donnerstag in Jakarta.

Barak warf nach dem Attentat in Jerusalem der palästinensischen Autonomie-Behörde vor, sie habe "die Zügel (im Kampf gegen den Terrorismus) aus der Hand gegeben". Er forderte die sofortige Wieder- Verhaftung von Dutzenden Extremisten der radikal-islamischen Hamas - Organisation, die von den Palästinensern vor etwa drei Wochen aus den Gefängnissen entlassen worden waren.

Die oder der Attentäter waren nach Polizeiangaben in ihrem Fahrzeug von der Polizei verfolgt worden und dann in eine Gasse nahe dem Markt eingebogen. Ein Transportfahrzeug blockierte jedoch den Weg zu dem Markt, der zum Zeitpunkt der Explosion von Hunderten besucht wurde.

Vor dem Anschlag hatte Israels Armee am Donnerstagmorgen mit dem Abzug schwerer Waffen aus den Randgebieten um palästinensische Städte begonnen, wie Peres und Arafat dies vereinbart hatten. Die palästinensische Seite bemängelte jedoch den Umfang des israelischen Rückzugs. Trotz der Vereinbarung kam es am Morgen wieder zu vereinzelten Zusammenstößen zwischen protestierenden Palästinensern und israelischen Soldaten, bei denen zwei Palästinenser getötet wurden. Ein weiterer erlag in einem Krankenhaus in Gaza seinen am Mittwoch erlittenen Verletzungen. Nach israelischen Angaben eröffneten palästinensische Polizisten im Gaza-Streifen das Feuer auf eine israelische Militärpatrouille.

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