Kurz und knapp
Aktuelle Literatur

Jede Woche finden Sie hier Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Heiko Flottau: Vom Nil bis an den Hindukusch. Der Nahe Osten und die neue Weltordnung, Verlag Droemer Knaur, München 2004, 304 Seiten, 19,90 Euro.

Der Titel hält nicht, was er verspricht. Nein, es geht nicht um eine "neue Weltordnung", propagiert von einem US-Präsidenten, der vorgibt, den Nahen Osten demokratisieren zu wollen. Der Blick Flottaus geht zurück, und große Begriffe sind seine Sache nicht. Der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung versucht, den Krieg der USA im Irak, in Afghanistan und gegen den militanten Islam überhaupt in einen historischen Kontext einzubetten. Und der Versuch gelingt. Der Autor interpretiert die Konflikte als jüngste Phase einer fast schon hundert Jahre andauernden Konfrontation. Nur, dass die Amerikaner den Platz der Franzosen und Engländer eingenommen haben. Die neue Weltordnung ist also die alte. Flottaus Analyse ist kein platter Antiamerikanismus. Im Gegenteil: Der Autor legt Wert auf Differenzierung. Er zeigt in nüchterner Sprache die Widersprüchlichkeiten in der US-Politik auf, betont zugleich das Unvermögen der arabisch-muslimischen Welt, ein Gegenkonzept zur säkularen, laizistischen und demokratischen Zivilisation des Westens zu entwickeln. Jens Münchrath

Frank-Walter Steinmeier/Matthias Machnig: Made in Germany 21, Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2004, 576 Seiten, 14,90 Euro.

"Innovationen für eine gerechte Zukunft" wollen die Herausgeber ihren Lesern nahe bringen. Steinmeier, Chef des Bundeskanzleramts, und Machnig, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der SPD, haben viele Hochkaräter aus Wirtschaft und Politik für ihr Projekt gewonnen - vom Kanzler über Siemens-Chef Heinrich von Pierer bis zu Bestsellerautor Dietrich Grönemeyer. Dass Innovationen Triebfeder der Ökonomie sind, ist unbestritten. Und dennoch kann man über einzelne Thesen trefflich streiten. Zum Beispiel würde die Diskussion mit dem Publizisten Roger de Weck lohnen, der dem deutschen Journalismus jede Innovationskraft abspricht. Dass derart kritische Positionen aber in einem solchen Buch zugelassen werden, spricht für die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Autoren mit dem Thema Innovation befassen. Christoph Moss

Reimer Gronemeyer: Kampf der Generationen, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2004, 256 Seiten, 17,90 Euro

Die Nachrichten werden dominiert von Schlagworten, die mit der Überalterung unserer Gesellschaft zu tun haben. 2050 werden knapp 40 Prozent der Menschen in Deutschland über 60 Jahre alt sein. Inmitten der kurzatmigen Reformdebatten tut Reimer Gronemeyers besonnener Beitrag gut. Denn im Gegensatz zum reißerischen Titel mahnt das Buch des Soziologie-Professors eine Solidarität an, die über Geldfragen hinausgeht. Er entwirft das Bild eines Alters, das nicht auf Florida-Urlaub oder Marathon mit 75 abzielt, sondern Kompetenzen wie Verzicht und Selbsthilfe einfordert. Josy Wübben

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