Kurz und knapp
Innen- und Außenpolitik

In dieser Woche lesen Sie Rezensionen zu Berman, Dahrendorf, Beucker und Überall.

Paul Berman: Terror und Liberalismus, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2004, 272 Seiten, 22,90 Euro

Der Krieg gegen den Terror ist eigentlich nichts Neues, sagt Paul Berman. Für den amerikanischen Kulturkritiker ist es derselbe Kampf, der schon einmal ausgefochten wurde: die Auseinandersetzung zwischen dem Liberalismus und seinen totalitären Feinden. Anders als viele deutsche Kommentatoren sieht er im islamistisch motivierten Terror nicht eine Ausdrucksform des Protestes der Unterdrückten dieser Welt. Seine These: Mit ihrem Märtyrerkult, der Abwertung ihrer Opfer als lebensunwürdig sowie ihrem Absolutheitsanspruch reihen sich die Islamisten nahtlos in die Riege der totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts ein. Dank einer fundierten und verständlich verfassten Analyse der ideologischen Wurzeln von Bin Laden & Co. liefert Berman den Schlüssel zum Verständnis des modernen Dschihadismus und seiner Ziele. Ralf Balke

Ralf Dahrendorf: Der Wiederbeginn der Geschichte - Vom Fall der Mauer zum Krieg im Irak, Verlag C.H. Beck, München 2004, 352 Seiten, 25,60 Euro

Ralf Dahrendorf liefert in seiner Aufsatz- und Redensammlung tief greifende Erklärungen und Kommentare zur Weltpolitik der vergangenen 15 Jahre. Nach Jahren der Erstarrung im Kalten Krieg markierten der Fall der Mauer und die Auflösung des Sowjetsystems den "Wiederbeginn der Geschichte", von dem aus Dahrendorf zu den Herausforderungen der Globalisierung und den Kriegen in Afghanistan und Irak kommt. Dabei behält er über die Ereignisse des Tages hinaus deren Bedeutung für die Zukunft einer offenen Gesellschaft im Blick. Das Buch bietet einen Einblick in die Gedankenwelt des weitsichtigen Soziologen, der als gebürtiger Hamburger, ehemaliger Direktor der London School of Economics und derzeitiges Mitglied des britischen Oberhauses zwei Kulturen in sich vereint. Josy Wübben

Pascal Beucker, Frank Überall: Die Beamtenrepublik - Der Staat im Würgegriff seiner Diener? Campus Verlag, Frankfurt 2004, 276 Seiten, 21,90 Euro

Mehr als 1,8 Millionen Deutsche sind verbeamtet. Unkündbar, mit automatisch steigendem Salär, abgesichert per Beihilfe und Pension. In den Augen der Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall sind das 1,8 Millionen mögliche Probleme: Die Beamtenrepublik, so referieren sie, sei leistungsfeindlich, demotivierend und anfällig für Korruption. Ihr Urteil fällen die Autoren unter Rückgriff auf Zahlen, Daten und Anekdoten über das Fehlverhalten von Staatsdienern. Und sie ziehen ein knappes Fazit: Das Berufsbeamtentum gehört abgeschafft - so wie in der Schweiz. Die eidgenössischen Parlamentarier lösten das alte Bundespersonalgesetz vor vier Jahren einfach ab - und wandelten 120 000 Beamte zu Bundesangestellten um. Olaf Wittrock

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