Kurz und knapp
Neue Bücher

Jede Woche finden Sie hier aktuelle Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Amira Hass: Bericht aus Ramallah - Eine israelische Journalistin im Palästinensergebiet,Diederichs Verlag, München 2004, 231 Seiten, 19,95 Euro

Amira Hass passt in kein Schema: Seit 1993 schreibt die israelische Journalistin für die renommierte Zeitung "Haaretz" aus den Palästinensergebieten. Ihre Berichte vom täglichen Überlebenskampf der Palästinenser haben ihr weltweit Respekt verschafft, aber noch mehr Feinde. Israels Rechten gilt sie als Netzbeschmutzerin, und die palästinensische Autonomiebehörde reagiert mit Morddrohungen, wenn Hass über das korrupte System Arafat schreibt. Mitunter verschlägt es einem die Sprache, mit welcher Selbstverständlichkeit sie sogar mit den radikalsten Hamas-Aktivisten ins Gespräch kommt. Wer verstehen möchte, warum der Friedensprozess scheiterte, für den ist das Buch unentbehrlich. Wer jedoch eine Erklärung für das Phänomen der Selbstmordattentäter erwartet, wird enttäuscht. Ralf Balke

David Corn: Die Lügen des George W. Bush, Heyne Verlag, München 2004, 375 Seiten, 20 Euro

Roosevelt, Kennedy, Nixon - sie alle haben es mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen. Auch Bill Clinton erlebte seinen persönlichen Tiefpunkt, als er die Affäre mit Monica Lewinsky leugnete und später überführt wurde. Aber George W. Bush ist nach Meinung des US- Journalisten David Corn ein besonderer Fall. Bush habe vor seiner Wahl zum Präsidenten behauptet, Ehrlichkeit ins Weiße Haus zu bringen. Dies habe er nicht getan. In der Energiepolitik oder bei den Steuern - immer seien Unwahrheiten im Spiel gewesen. Dass diese Vorwürfe nicht neu sind, streitet Corn gar nicht ab. Aber er beklagt, dass die Medien diesen Vorfällen zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Wer Lust auf ein weiteres Anti-Bush-Buch hat, ist hier gut bedient. Christoph Moss

Paul Kirchhof: Der sanfte Verlust der Freiheit, Carl Hanser Verlag, München 2004, 240 Seiten, 19,90 Euro

Das jüngste Buch des sendungsbewussten Ex-Verfassungsrichters liest sich wie eine Verteidigungsschrift für seine neue Lebensaufgabe. Kurzweilig, sprachlich geschliffen und vor allem überzeugend formuliert präsentiert Kirchhof den ideologischen Überbau für seine Vision von einem "Bundessteuergesetzbuch". Kirchhof geht es darin vor allem um den Wiedergewinn von Freiheit für den Steuerbürger, die Freiheit, unabhängig von staatlicher Bevormundung zu agieren. Am Ende soll es fast allen besser gehen: Mehr als ein Viertel seines Einkommens soll niemand mehr dem Staat abtreten müssen. Wie das funktioniert? Vor allem durch den Abbau von Steuersubventionen und den Rückbau staatlicher Lenkungsinstrumente wie etwa der Ökosteuer. Daneben liefert er zahlreiche Detailvorschläge, lässt aber die Frage ungeklärt, ob dieser Traum auch finanzierbar ist. Darüber sind sich selbst Ökonomen nicht einig. Jan Keuchel

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