Kurz und knapp
Sachbuch und Belletristik

Jede Woche finden Sie hier Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Johann Peter Murmann:Knowledge and Competitive Advantage.Cambridge University Press, Cambridge 2004, 320 Seiten, 45 Pfund (ca. 67 Euro).

Zwischen 1865 und 1914 stieg das Deutsche Reich zum weltgrößten Produzenten synthetischer Farben auf. Wirtschaftsforscher hat das immer gewundert, denn jedes neoklassische Modell hätte Großbritannien vorn gesehen: Ein Engländer hatte die ersten Kunstfarben hergestellt, der heimische Markt war riesig, die Rohstoffe billig. Doch mathematische Eleganz ist nicht alles. Der deutsche Evolutionsökonom Johann Peter Murmann hat das Rätsel mit historischer Analyse gelöst. Seine Antwort: In Deutschland waren der Wettbewerb intensiver, die Marktzutrittsschranken kleiner, und die Hochschulen besser. Großbritannien litt dagegen unter ähnlichen Symptomen wie Deutschland heute. Es ist die Hauptlehre der noch jungen Denkschule der Evolutionsökonomik: Anstelle abstrakter Gleichgewichtsrechnungen analysieren ihre Vertreter die Vergangenheit. Und ziehen daraus Konsequenzen. Johann Peter Murmann jedenfalls arbeitet längst in den USA. David Selbach

Anne Koark:Insolvent und trotzdem erfolgreich.Business Village, Göttingen 2004, 256 Seiten, 16,80 Euro.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hat seit Jahren zugenommen - und daran wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern. Anne Koark zeigt an ihrem eigenen Beispiel, dass man auch nach einer Pleite wieder erfolgreich sein kann. Ehrlich und schonungslos beschreibt sie Erfolg und Untergang ihrer zuerst so wettbewerbsfähigen Firma "Trust in Business". Sie hat eine tagebuchartigen Autobiographie geschrieben. Wenn man so will, macht sie damit Insolvenz sogar gesellschaftsfähig. Ein Buch, das Mut macht. Günter Ringleb

Mark Haddon: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone. Karl Blessing Verlag, München 2003, 288 Seiten, 18 Euro

Was tun, wenn man den Hund der Nachbarin erstochen in ihrem Garten findet? Für Christopher Boone gibt es nur eins: Er muss den Mörder finden. Der "15 Jahre, 3 Monate und 2 Tage" alte Junge liebt die Logik, Primzahlen sind seine Leidenschaft. Mit den Leidenschaften seiner Mitmenschen kommt er dagegen gar nicht klar - Christopher hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Das Buch öffnet den Blick in eine fremde Welt: Haddon beschreibt das Innenleben eines Jungen, der nichts damit anfangen kann, wenn jemand von "futtern" spricht, wenn er doch "essen" meint. Mit staubtrockenem Humor, beeindruckender Leichtigkeit und mathematischen Beweisen schildert er die Welt, wie Christopher sie erlebt: Für ihn sind die Erwachsenen die Behinderten - mit ihren Gefühlen, Zweifeln und Lügen. Susanne Wesch

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