Kurz und knapp
Über Geldmacher und komplexe Regelsysteme

Jede Woche finden Sie hier Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Klaus W. Bender: Die Geldmacher - Das geheimste Gewerbe der Welt. Verlag Wiley-VCH, Weinheim 2004, 300 Seiten, 24,90 Euro.

Fünf Jahre hat Klaus Bender benötigt, bis er aus zahllosen Hintergrundgesprächen und lückenhaften Veröffentlichungen das Bild einer der verschwiegensten Branchen überhaupt gezeichnet hat. Es hat sich gelohnt: "Die Geldmacher" treten in seinem Buch erstmals aus dem dunklen Hintergrund. Bender deckt auf, wie die Branche der Währungsdrucker entstand, wie sie heute funktioniert und welche Unternehmen die lukrativen Staatsaufträge abschöpfen. Er malt das Bild einer fast geheimbündlerischen Szene, in der jeder jeden kennt, und man sich gegenseitig Aufträge abjagt, indem man Kunden perfekte Fälschungen der Banknoten präsentiert, für die Konkurrenten verantwortlich sind. Ein ganzes Kapitel hat Bender dem Euro gewidmet. Die Branche ließ Bender übrigens nicht gern hinter die Kulissen schauen. Das Buch eines Vorgängers, der 1984 Ähnliches versucht hatte, ist heute kaum noch zu bekommen: Der italienische Gelddrucker Gualtiero Giori kaufte fast die gesamte Auflage auf, um dessen Verbreitung zu verhindern. Bleibt zu hoffen, dass Bender nicht Gleiches widerfährt. Dem Publikum entginge ansonsten ein höchst lesenswertes Sachbuch. David Selbach

Arthur Benz (Hrsg.): Governance - Regieren in komplexen Regelsystemen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, 240 Seiten, 24,90 Euro.

Regierungen müssen heute bei ihren Entscheidungen mehr denn je verhandeln: mit Unternehmen, mit Wählern und mit gut organisierten Lobbygruppen. Wie sie dabei vorgehen, untersucht die Sozialwissenschaft unter dem Begriff "Governance". In der Aufsatzsammlung des Politologen Arthur Benz von der Fern Hagen, -Universität erklären zehn Autoren, wie Politik heute in Nationalstaaten, innerhalb der EU oder weltweit funktioniert. Arthur Benz ist der Meinung, dass es sich bei "Governance" keinesfalls um ein Modewort handelt, sondern dass es "eine Betrachtungsweise für die Analyse komplexer Strukturen kollektiven Handelns bietet". Dieses Lehrbuch liefert einen guten Überblick dazu. David Selbach

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