Kurz vor Fristende
Anzeichen für Babcock-Insolvenz verdichten sich

Zwei Tage vor dem Auslaufen einer letzten Frist zur Zahlung der Juni-Gehälter haben sich die Anzeichen für eine Insolvenz der Babcock Borsig AG verdichtet.

rtr DüSSELDORF. Die bereits am Freitag deutlich gewordenen Differenzen unter Banken und Anteilseignern über die Verantwortung für die Rettung des Traditionsunternehmens seien am Montag zunächst nicht beseitigt worden, hieß es aus den Banken- und Investorenkreisen. Seitens der Arbeitnehmer hieß es, eine nochmalige Fristverlängerung für die Gehälter-Auszahlung sei praktisch auszuschließen. Von der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat Babcock offenbar trotz des bevor stehenden Ultimatums keine Hilfe zu erwarten. "Eine Landesbürgschaft kommt nicht in Frage", wiederholte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums eine frühere Erklärung seines Ministers.

Die Belegschaft will am Dienstagmittag vor dem Düsseldorfer Landtag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren.

Das Oberhausener Registergericht entschied unterdessen, dass der Babcock-Vorstand den umstrittenen Verkauf der ersten Hälfte seines Anteils an der Kieler Werft HDW nicht nachträglich von den Aktionären billigen lassen muss. Dies hatte der Großaktionär Guy Wyser-Pratte gefordert. Der im Frühjahr überraschend eingeleitete Rückzug aus dem Schiffbau gilt bei vielen Beobachtern als ursächlich für die finanzielle Notlage bei Babcock.

Sanierungskonzept überzeugt nicht

Erstmals wurden in Bankenkreisen auch ernsthafte Zweifel an dem vom Unternehmensberater Roland Berger erarbeiteten Sanierungskonzept für Babcock geäußert. In dieser Skepsis, dass damit das Überleben Babcocks langfristig gesichert sei, schienen die Teilnehmer überein zu stimmen, hieß es. Das Konzept sieht im Kern eine drastische Verkleinerung der Babcock auf das Geschäftsfeld Energietechnik und den Verkauf von Beteiligungen vor. Dabei gelte es beispielsweise als fraglich, ob diese Verkäufe in der aktuell schwierigen Konjunktur überhaupt möglich seien, beziehungsweise annehmbare Preise erbrächten. In der Frage des eigenen Beitrags zum Sanierungskonzept stehen sich die Banken aber offenbar noch immer kompromisslos gegenüber und versuchen, sich den "schwarzen Peter" gegenseitig zuzuschieben. So wird von Banken, die nicht an Babcock beteiligt sind, eine von den Investoren getragene Kapitalerhöhung als Bedingung für eigene Hilfszusagen gemacht. Andere wollen die WestLB in der Führungsrolle sehen, ein Ansinnen, das das Institut von sich weist. Es gebe Signale, die so interpretiert würden, dass eine Rettung nicht zu Stande komme, hieß es in den Bankenkreisen.

Babcock braucht nach Schätzung verschiedenster Seiten bis zu 700 Mill. ?, davon 200 Mill. ? sofort. Vor sechs Jahren stand der Konzern schon einmal vor der Pleite. Damals konnte der Ruin durch Bankenhilfe und Lohnverzicht noch abgewendet werden.

Belegschaft fürchtet um Arbeitsplätze

Im Falle einer Insolvenz sind nach Angaben des Betriebsrates weit mehr Arbeitsplätze gefährdet als bei Umsetzung des Sanierungskonzeptes. Allein in Oberhausen fielen dann wohl 2500 der aktuell noch 3500 Stellen weg. Das Konzept von Roland Berger würde früheren Angaben zufolge die Belegschaft von weltweit rund 22 000 auf 15 000 drücken. In Deutschland sieht es nach Angaben von Betriebsratschef Heinz-Georg Westfeld den Abbau von maximal 1500 Arbeitsplätzen vor. Schon vor Ablauf des Ultimatums verhandelt der Betriebsrat mit Vertretern der Stadt Oberhausen und der Landesregierung über eine soziale Abfederung.

Gedrückte Stimmung

In der Belegschaft ist die anfängliche Hoffnung inzwischen in Resignation umgeschlagen. "Keiner geht hier davon aus, dass wir bis Mittwoch unser Geld auf dem Konto haben", sagte ein Mitarbeiter aus der Technik. Im Oberhausener Stammwerk werde die Fertigung zwar noch aufrechterhalten, aber auf Baustellen sei der Betrieb wegen fehlender Lieferungen schon eingeschränkt. In der vorigen Woche hatten die Warenkreditversicherer die Deckung für Lieferungen an Babcock aufgehoben.

Die Belegschaft von Babcock hatte bereits kurz nach Bekanntwerden der finanziellen Schieflage vor knapp zwei Wochen einen Hilfsbeitrag im Volumen von 50 Mill. ? zugesichert. Das Geld soll vor allem durch Lohnverzicht erbracht werden.

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