Kurzarbeit für das Jahr 2002 geplant
EADS erwartet schwierigeres Jahr 2003

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS steht nach den Worten seines Co-Chefs Rainer Hertrich 2003 vor größeren Herausforderungen als im kommenden Jahr. "Das zweite Jahr der Krise wird schwieriger als das erste", sagte Hertrich am Dienstagabend in München.

Reuters MÜNCHEN. Das hätten die Erfahrungen aus dem Abschwung Anfang der 90er Jahre gezeigt. Im Jahr 2002 werde der zu 80 Prozent zur EADS gehörende Flugzeugbauer Airbus SAS voraussichtlich 300 Flugzeuge produzieren, 2003 noch weniger. Wenn die Flaute anhalte, sei dann auch eine Anpassung bei Kapazitäten und Personal nicht zu vermeiden. Schon 2002 werde es in einigen Werken zu Kurzarbeit kommen. Die EADS müsse sparen. Zum Ausgleich will der Konzern das Geschäft mit der Verteidigung ausbauen.

EADS rechnet damit, dass weitere Fluggesellschaften ihre für 2002 eingeplanten Aufträge wegen der Flaute in der Branche nach den Anschlägen in den USA verschieben. Noch lägen für das nächste Jahr 375 feste Bestellungen vor, Stornierungen habe es bislang nicht gegeben, sagte Hertrich. "Um die 300 zu erreichen, müssen wir uns anstrengen", fügte er hinzu. Noch im Sommer hatte die EADS mit 400 Auslieferungen im kommenden Jahr gerechnet. Bei weniger als 280 Flugzeugen müssten schon 2002 Stellen gestrichen werden. Airbus-Konkurrent Boeing hatte zuletzt den Abbau von 30 000 Stellen angekündigt.

"Es ist unübersehbar, dass wir in der Luftfahrt vor schweren Zeiten stehen", sagte der EADS-Co-Chef. Wie tief diese Krise sei und wie lange sie dauere, sei unabsehbar. Die EADS werde den Fluglinien verstärkt mit Finanzierungen unter die Arme greifen.

Um die Renditeziele zu erreichen, müsse der Konzern sparen, sagte Hertrich. "Wir müssen an den Kosten etwas tun." Die Kosten für die Entwicklung des neuen Großraumflugzeugs A380 stiegen und die Auslastung sinke. Allein Airbus wolle 2002 trotz der auf eine Milliarde Euro verdoppelten Entwicklungskosten für den A380 unter anderem durch die Kürzung der Grundlagenforschung 600 Millionen Euro einsparen. Auch das Ziel, im Konzern bis 2004 auf eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent zu kommen, gelte weiter. "Aber es wird schwieriger in diesem Umfeld", fügte Hertrich an. "Die Wahrheit kommt 2003."

An den Erwartungen für 2002, einem Umsatzplus von 20 Prozent und einem um 15 Prozent steigenden Ergebnis vor Steuern und Zinsen, halte die EADS fest. "2001 war für die EADS ein gutes Jahr", zog Hertrich rückblickend ein positives Fazit. Airbus werde etwa 320 Flugzeuge ausliefern, so viele wie noch nie, und damit Boeing erstmals auch im Umsatz überflügeln.

Nach den Anschlägen in den USA vom 11. September sieht die EADS neue Chancen, ihr Verteidigungsgeschäft auch jenseits des Atlantik auszubauen. "Da ist ein Fenster offen", sagte Hertrich. Die US-Regierung zeige angesichts der Bedrohung große Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Bedingung sei jedoch, dass auch die Europäer bereit seien, etwaige Projekte mitzufinanzieren. Auf Sicht von fünf bis zehn Jahren wolle die EADS den Militär-Anteil an ihren Umsatz auf 30 Prozent von zuletzt 20 Prozent ausbauen.

Im Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft stehen bei der EADS die nächsten Schritte in der Neuordnung unmittelbar bevor. Das lange angekündigte Gemeinschaftsunternehmen bei Lenkflugkörpern mit Finmeccanica und BAe Systems, MBDA, werde vor dem Jahresende an den Start gehen. Bis zum Sommer 2002 solle auch die mehrheitlich deutsche LFK in die MBDA integriert werden. Die Verhandlungen mit dem Nürnberger Rüstungsunternehmen Diehl über die LFK seien abgebrochen worden. Die Gespräche über das als "EMAC" bekannte Militärflugzeug-Joint Venture mit der Finmeccanica seien wieder aufgenommen worden. Die Gespräche seien an Bewertungsfragen gescheitert. "Wir waren vor einem Jahr weiter als wir jetzt sind", räumte Hertrich mit Blick darauf aber ein.

Der Co-Vorstandschef, der den Konzern gleichberechtigt mit Philippe Camus führt, verteidigte die vor allem in Frankreich kritisierte Doppelspitze der EADS. In den nächsten vier Jahren sei diese noch für das Zusammenwachsen unabdingbar. Sie gebe den Mitarbeitern ein Gefühl der Sicherheit. Aber auch danach sei sie vor möglicherweise mit Blick auf die national ausgerichteten Kunden noch vonnöten, sagte Hertrich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%