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Kurze Sprünge

Neuer Schwung am Neuen Markt? Experten rechnen eher mit einer Seitwärtsbewegung. Einzelne Aktien versprechen trotzdem Gewinne.

Scheich, mach uns reich: Auf der Suche nach neuen Investoren zogen Anfang Mai fünf Unternehmen des Neuen Marktes sogar in die beiden Emirate Abu Dhabi und Dubai, um sich der dortigen Finanzwelt vorzustellen. Ob sich die Reise an den Golf für die Vorstände von E-m-s New Media, Bov, Ads System, Phenomedia und Rösch gelohnt hat, ist bislang nicht bekannt. Sollten allerdings tatsächlich Petro-Dollars in die Aktien der reisefreudigen Unternehmen fließen, könnten sie sich deutlich vom Gesamtmarkt absetzen. Denn nach der Vorwärtsbewegung des Börsensegments im April rechnen viele Marktbeobachter in den nächsten Monaten lediglich mit einem Seitwärtstrend.

"Die Rallye wird zunächst nicht weitergehen. Im Moment ist bei uns die Stimmung eher zurückhaltend", sagt Commerzbank-Fondsmanager Ralf Walter. Frank Träger von Axa Investment Managers sieht das ähnlich und betreibt eine "ehrlich gemeinte Hold Strategie" - weder Zu- noch Verkäufe sind derzeit geplant.

Immerhin: Werden die aktuellen Index-Stände zumindest gehalten, wäre dies schon ein Erfolg. Der alle Werte umfassende Nemax-All-Share-Index hat seit seinem 52-Wochen-Tief von 1435 Punkten am 3. April mittlerweile rund 35 Prozent zugelegt.

Dass die weitere Erholung zunächst auf sich warten lässt, liegt zurzeit vor allem an der ungewissen Entwicklung in den USA, von der sich der Neue Markt entgegen mancher Hoffnung bislang nicht emanzipieren konnte. Nach den schwachen Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag verstärkt sich an der Wall Street die Sorge über den Zustand der US-Wirtschaft. Einige Anleger spekulieren allerdings genau deshalb auf eine erneute Leitzinssenkung der Notenbank Fed. Stark schwankende Kurse ohne klare Richtung sind die Folge.

Für den privaten Anleger stellt sich die Frage, wie er sich in der gegenwärtigen Situation verhalten soll. Spielernaturen setzten in volatilen Phasen verstärkt auf den schnellen Handel mit Aktien, die unter die Kursgrenze von zwei Euro gefallen sind (siehe Grafik). Diese Papiere verhalten sie wie Optionsscheine: Sie verfügen über enorme Schwankungsbreiten und es besteht die Gefahr, den Einsatz sehr schnell zum Großteil zu vernichten. Wer sich zum Beispiel kurz vor dem 19. April Papiere von Teldafax ins Depot legte, hat darauf gesetzt, dass das Unternehmen die einstweilige Verfügung zum Wiederanschluss seiner Leitungen an das Telekomnetz gerichtlich durchsetzt. Die Hoffnung ging auf. Der entsprechende Gerichtsbeschluss bescherte dem Papier des angeschlagenen Telefondienstleisters am 19. April ein Kursplus von 60 Prozent auf 0,80 Euro. Fünf Tage später hatte die Aktie aber einen Großteil dieses Gewinns wieder abgegeben. Mittlerweile notiert Teldafax nur knapp über dem Ausgangsniveau von 0,52 Euro. Ein weiterer Kursabschlag gilt nach dem begonnenen Ausverkauf der Unternehmsteile als wahrscheinlich. Außerdem ist der Wert des Investments durch Pläne der Börse bedroht, Aktien vom Kurszettel zu Streichen, die dauerhaft unter der Grenze von einem Euro notieren. Unter profesionellen Anlegern gilt der Handel mit den sogenannten "Penny-Stocks" ohnehin nicht als ernsthafte Alternative. Börsenprofis empfehlen zurzeit eher, auf spezielle Trends zu setzen, die in den nächsten Monaten zu Sonderbewegungen an der Börse führen könnten. Auslöser eines solchen Effektes könnte die endgültige Verabschiedung der so genannten "Riester-Rente" durch den Bundesrat sein. Es wird erwartet, dass dies Softwareherstellern wie FJA oder Cor Insurance neue Aufträge beschert, denn Anbieter der privaten Altersvorsorge - Banken und Versicherungen - müssen ihre Datenverarbeitung auf die neuen Anforderungen umstellen (siehe Kasten). Von einer Sonderkonjunktur könnten schließlich in den nächsten Monaten auch Unternehmen des arg gebeutelten Telekommunikationssektors profitieren. "Viel wird davon abhängen, wie sich die Regulierungsbehörde Anfang Juni zu der geplanten Kooperation im UMTS-Bereich äußert", sagt Axa-Fondsmanager Träger, der weiter an der Mobilcom-Aktie festhält. Vor allem die kleinen UMTS-Lizenznehmer wollen beim Bau und Betrieb der Netze zusammenarbeiten, um Kosten zu sparen. Gibt Chefregulierer Matthias Kurth sein Einverständnis zu einer begrenzten Zusammenarbeit, könnte die Mobilcom-Aktie weiteren Auftrieb erhalten. Innerhalb von zwei Wochen ist das Papier bereits um über 60 Prozent gestiegen. Auf die Strategie, "sich vorsichtig den Telekom, Medien- und Technologiesektor anzusehen", setzt zurzeit auch Johannes Reich, Leiter des Aktien-Research beim Bankhaus Metzler. Gut gefallen ihm im Medienbereich Senator. In der Biotechnologie, den er allerdings gegenwärtig für relativ risikoreich hält, zählt er Qiagen zu seinen Favoriten. Generell sei derzeit die Liquiditätssituation ein wichtiges Kriterium bei der Aktienauswahl. "Bei anhaltender wirtschaftlicher Talfahrt könnten einige Unternehmen noch größere Schwierigkeiten bekommen." Ein Beispiel dafür sei das Softwareunternehmen Brokat.

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