Kurzfristig bestenfalls Seitwärtsbewegung
Dax-Ausblick: Keine Entwarnung auf dem Parkett

Pessimisten haben die Aktienmärkte fest im Griff. Gewinnwarnungen und negative Konjunkturmeldungen lassen die Kurse einbrechen. Ein Ende der Talfahrt ist noch nicht in Sicht. Ein Analyst sagte, der Deutsche Aktienindex könnte noch auf 4 000 Punkte fallen. Mittelfristig gibt es aber wieder Potenzial für die Märkte, glauben fundamental orientierte Kapitalmarktexperten. Schlussbericht: Dax zeigt sich gnädig Welteke dämpft Erwartung einer EZB-Zinssenkung

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Analysten sind zurzeit pessimistisch gestimmt. Ein Chart-Analyst sagte am Donnerstag, der Dax könnte theoretisch bis auf 4 000 Punkte abstürzen. Händler begründeten die neuerlichen Kurseinbußen mit zunehmenden Befürchtungen am Markt, dass die Konjunkturschwäche in den USA die übrigen internationalen Volkswirtschaften stark in Mitleidenschaft ziehen könne.

Ungewöhnliche Abwärtsdynamik

An den Aktienmärkten entfaltet sich eine ungewöhnliche Abwärtsdynamik. Seit mittlerweile zwei Wochen verlieren die wichtigen Aktien in Europa und den USA deutlich. Die Anlässe für die fortgesetzten Kursverluste ähneln sich: Meist sind es Gewinnwarnungen einzelner Unternehmen oder Konjunkturdaten, die eine Klima-Eintrübung auslösen. Wo diese Talfahrt endet, wagen Experten nicht vorherzusagen.



Viele befürchten eine längere Dürreperiode, nachdem die Börsenbaisse die gewichtigen Werte der "Old Economy" erfasst hat. Bis Anfang März hatten diese sich gut gehalten, obwohl die High-Tech-Aktien seit einem Jahr bereits stetig gefallen waren. Hinweise von Analysten, einzelne Aktien seien nun sehr billig, widerlegt die Börse täglich.

Torschlusspanik ein schlechter Ratgeber

Die Experten der Commerzbank sind davon überzeugt, dass Torschlusspanik für private Anleger jetzt ein schlechter Ratgeber ist. In ihrem wöchentlichen Börsenausblick heißt es, es gebe durchaus auch Pluspunkte für die Aktienanlage. Von der aktuellen Schwäche des Euro, niedrigen Kapitalmarktzinsen und dem hohen privaten Vorsorgebedarf sollten Aktien profitieren. Die Banker von der Commerzbank erwarten in den nächsten Monaten eine Seitwärtsbewegung mit hohen Kursausschlägen nach beiden Seiten. Eine nachhaltige Wende nach oben werde aber erst dann einsetzen, wenn sich in den USA eine Erholung abzeichne. Dies solle spätestens in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.

Auch die GZ-Bank sieht in den nächsten Wochen noch keinen dauerhaften Kursaufschwung. Bis zu einer verbesserten US-Wirtschaftslage dürften die Aktienmärkte nach ihrer Ansicht weiter von Nervosität und Unsicherheit geprägt sein und die Rufe nach Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder lauter werden.



Ähnlich wie in Amerika seien auch hierzulande die Standardwerte in zunehmendem Maße von der Technologie-Baisse und der Angst vor einem globalen Konjunktureinbruch belastet, schätzt die Frankfurter DG-Bank ein. Angesichts der desolaten Marktentwicklung sei ein Trend für die kommende Woche aber "kaum seriös zu prognostizieren", betont sie. Zwar gebe es die Möglichkeit einer zumindest technischen Kurserholung, doch sei diese von Risiken des Durchbrechens neuer charttechnischer Unterstützungslinien überlagert. Der Dax war diese Woche unter die Marke von 5 500 Punkten und damit auf ein 16-Monats-Tief gesunken.



Technologiewerte geben die Richtung vor



Besonders der hochvolatile Technologiebereich werde für die weitere Entwicklung mitbestimmend sein, sagt die Bankgesellschaft Berlin voraus. Aus ihrer Sicht ist die derzeit "vorzugsweise negative Wahrnehmung" der Entwicklung aber schlechter als die Lage. Viele Anleger seien noch nicht bereit, ein "realistisches Kurszenario mit wieder klar positiven Wachstumsraten" ab dem zweiten Quartal in den USA und den positiven, wenn auch reduzierten Wachstumserwartungen für 2001 in Deutschland zur Kenntnis zu nehmen.



Trendwende könnte bald in Sicht sein



Die Analysten des Kant-Vermögensmanagements gehen über diese moderate Einschätzung noch hinaus. "Wir gehen davon aus, dass die Trendwende gerade stattfindet", heißt es in ihrem täglichen Brief zur Anlagestrategie. Dass sich antizyklisch denkende Anleger jetzt zu den Bereichen Glasfaser, Software und Halbleitern hinwenden, sei daher "logisch". Fundamentale Daten kehrten in den Markt zurück und fänden jetzt wieder Beachtung. Auf Übergewichten stehen bei den Analysten von Kant zurzeit die Branchen Automobil, Software/Technologie und Maschinenbau. Bei den Bau-, Versorger- und Konsumaktien raten die Kapitalmarktexperten zum "untergewichten".

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