Kurzfristig keine Besserung in Sicht
Schrumpfung der japanischen Wirtschaft beschleunigt sich

Die Hiobsbotschaften aus dem Land der aufgehenden Sonne reißen nicht ab. Die am morgigen Freitag zur Veröffentlichung stehenden Zahlen zum japanischen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal werden sich in das Katastrophenszenario der letzten Wochen einreihen. Davon sind zahlreiche Analysten überzeugt.

dpa-afx TOKIO. Sie rechnen damit, dass die japanische Volkswirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 1,0 % geschrumpft ist - schneller als im zweiten Quartal, in dem ein Minus von 0,8 % zu verzeichnen war.

Gemeldet wurden nicht nur Produktionsrückgänge in den einstigen Schlüsselbereichen Informationstechnologie und Telekommunikation: Die Zahl der auf dem Territorium der einstigen "Auto-Großmacht Japan" verkauften Kraftfahrzeuge ist im November um 9,3 % auf den niedrigsten Stand seit 1974 gefallen. Ein Viertel der im Premiumsegment der Tokioter Börse gelisteten Standardwerte befand sich im erster Halbjahr des laufenden Fiskaljahres auf konsolidierter Basis in den roten Zahlen.

Internationale Organisationen wie der Internationaler Währungsfonds und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwarten, dass die japanische Volkswirtschaft im laufenden Jahr zwischen 0,7 und 0,9 % schrumpfen wird.

Auch im Falle von Reformen 2002 Schrumpfumng zu erwarten

Nach Ansicht eines in Tokio ansässigen Fondsmanagers wird die weltweite konjunkturelle Abwärtsentwicklung noch etwa bis zum zweiten Quartal des kommenden Jahres anhalten. Danach erwartet der Experte entweder Reformen, die zu weiteren Entlassungen und einem massiven Rückgang der öffentlichen Ausgaben führen würden, oder einen deflationären Kreislauf mit der Folge weiter rückläufiger Verbraucherausgaben. "In beiden Fällen würde die japanische Wirtschaft 2002 weiter schrumpfen", glaubt er - schlimmstenfalls um bis zu 2 %.

Auch die Analysten von Activest gehen weiterhin von keiner Aufwärtsbewegung aus. "Folglich sind die Rahmenbedingungen für einen Kursanstieg japanischer Aktien schlecht", konstatierten sie. Nach Ansicht der Volkswirte von Goldman Sachs werden grundlegende Veränderungen dieser Rahmenbedingungen dadurch verzögert, dass sich die politisch Verantwortlichen der Dringlichkeit der Probleme nicht bewusst sind. Sie erwarten, dass es dazu einer Zuspitzung der Krisenerscheinungen bedarf.

So könnte etwa eine Verringerung des Außenhandelsüberschusses angesichts steigender Importe oder eine Herunterstufung der Kreditwürdigkeit des Landes durch internationale Ratingagenturen den Sinn für die Brisanz der Lage schärfen, heißt es in einer aktuellen Studie der Bank. Die Experten erwarten Auswirkungen der Aushöhlung der industriellen Basis des Landes auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit Japans.

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