Kurzzeitig wurde über nachträgliche Disqualifikation spekuliert
Wirbel um Hannawald-Spot

Die Nichtbeachtung der olympischen Regeln zieht für Sven Hannawald keine Sanktionen nach sich. Doch der Wirbel um die Ausstrahlung eines nicht genehmigten Werbespots im deutschen Fernsehen hat die Vorbereitung des Olympia-Zweiten aus Hinterzarten auf die am Montag anstehende Mannschafts-Entscheidung im Skispringen gestört.

HB/dpa SALT LAKE CITY. Wegen eines möglichen Verstoßes gegen die IOC-Charta hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) den deutschen Chef de Mission Walther Tröger am Freitag rechtzeitig gewarnt und Hannawald damit vor drohenden Konsequenzen bewahrt. "Es ist kein Fall des IOC. Seine Marketing-Kommission hat uns nur informiert, dass ein Spot im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden ist", erklärte Heiner Henze. Der Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) räumte jedoch ein: "Hier ist etwas geschehen, was zu einem Verstoß werden kann."

Wie Tröger berichtete, sei Hannawald nur einer von etwa 20 von der IOC-Kommission monierten Fällen. Nach unbestätigen Informationen sind darunter auch die TV-Experten von ZDF und ARD, Gunda Niemann- Stirnemann und Mark Kirchner. Beide haben mit unerlaubten großen Werbeaufschriften auf ihren Jacken an Wettkampfstätten vor der Kamera gestanden.

"Ich will Hannawald nicht freisprechen, dass er Verantwortung hat. Doch wir sprechen nicht von Verschulden", meinte Tröger. Jeder Athlet muss sich vor Olympischen Spielen schriftlich verpflichten, die strikten IOC-Werberegeln einzuhalten.

Hannawald reagierte prompt auf die vom IOC ausgesandten Warnsignale und veranlasste seine Werbeagentur, den Spot für die Dauer der Winterspiele zurückzuziehen. "Das war alles heiße Luft. Ich denke, es ist alles vergessen. Meine Agentur hat sich offenbar nicht richtig kundig gemacht", sagte der 27-Jährige, "es war ein Lapsus. Ich bin aus allen Wolken gefallen, die Sache hat mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen."

IOC-Vizepräsident Thomas Bach gab deshalb auch Entwarnung. "Bei uns ist das nur auf der Arbeitsebene behandelt worden, die Exekutive ist damit nicht beschäftigt." Für den Vierschanzentournee-Sieger werde es keine Konsequenzen und höchstens "ein Briefchen" geben. Auch Henze geht davon aus, dass "die Angelegenheit damit beendet ist".

Die Regel 45.3 der IOC-Charta verbietet den Wettkämpfern für die Zeit Olympischer Spiele, ihre Person, ihren Namen, ihr Bild oder ihre sportlichen Leistungen zu Werbezwecken zu nutzen. Dies war bei Hannawald durch die Ausstrahlung des Werbespots für ein Milchprodukt in verschiedenen deutschen TV-Stationen jedoch der Fall gewesen. Laut Henze habe dafür keine Ausnahme-Genehmigung durch das IOC vorgelegen.

"Der Spot bezieht sich nicht auf Olympia, hätte aber nicht während der Winterspiele ausgestrahlt werden dürfen", erklärte Hannawalds Manager Werner Heinz. "Sven hat keine Schuld daran. Es war eine Unwissenheit meinerseits. Es würde mir Leid tun, wenn er bestraft würde."

Vor Beginn der Olympischen Winterspiele hatte es im deutschen Team bereits Aufregung um einen Tagebuch-Bericht von Claudia Pechstein in der "Welt am Sonntag" gegeben. Die Berlinerin beteuerte, davon nichts gewusst zu haben. Sie sei von einem Interview ausgegangen und fühlte sich "aufs Kreuz gelegt". Um das noch einmal zu unterstreichen, ließ die Athletin Anfang der Woche durch ihren Anwalt eine Unterlassungserklärung an den Axel Springer Verlag richten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Damit will sich Pechstein vor einer Wiederholung schützen. In der Regel 59.5 der IOC-Charta ist das Verbot einer journalistischen Tätigkeit für Sportler bei Olympischen Spielen festgeschrieben. Für Pechstein hatte der Vorfall ebenfalls keine Konsequenzen.

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