Kutzers Corner
„Besser informiert werden – aber wie?“ - Die Auswertung

Vielen Dank an die n-tv-Zuschauer und Handelsblatt-Leser sowie die Online-User beider Medien! Neben spontanen Meinungsäußerungen haben mich mehr als 60 meist sehr ausführliche Stellungnahmen zur Aktion „Besser informiert werden – aber wie?“ erreicht. Es ging darum herauszufinden, wo Sie im Zeitalter einer Inflation der Informationen noch Defizite im Umfeld der Kapitalmärkte sehen.

Zwei Schwerpunkte markieren das Ergebnis. Zum einen gibt es eine Vielzahl von konkreten Einzelwünschen, die gleich oder zumindest ähnlich gelagert sind: Die Medien sollen mehr fundamentale Bewertungsdaten veröffentlichen. Daneben fordern zahlreiche Privatanleger noch mehr analytische, vergleichende und nach vorn gerichtete Berichte/Kommentare. Diese Verbesserungsvorschläge an die Redaktionen bildeten mit 31 Prozent auch den größten Block unter Ihren Zuschriften. Mit gut 27 Prozent folgten die Forderungen nach noch mehr Daten. In 24 Prozent der Beiträge standen allgemeine Vorschläge im Mittelpunkt, wie Vertrauen zurückgewonnen und Markttransparenz erhöht werden könnten. Schließlich hatten rund 18 Prozent der Mails und Faxe Kritik an Analysten und/oder Journalisten zum Hauptinhalt bzw. verwiesen auf Veranstaltungen und sonstige Angebote, die tiefer gehende Möglichkeiten der Börseninformation bieten.

Die Auswertung aller Zuschriften lässt den eindeutig den Schluss zu, dass die Vertrauenskrise noch nicht überwunden ist. Insbesondere in der Gruppe der Allgemeinvorschläge (24 Prozent), aber auch an anderer Stelle tauchen immer wieder Begriffe wie Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Ehrlichkeit als Forderung auf – meist auf die börsennotierten Unternehmen selbst und die Anlageberater/Analysten, vereinzelt auch auf Journalisten abgezielt. So schreibt Wolf-Rainer Hentschel aus Konstanz: „Ein zentrales Problem ist mir immer wieder die Bewertung, die Vertrauenswürdigkeit von Beiträgen...Wer hat da in welchem Interesse Informationen zusammengestellt und verbreitet?“

Noch härter formuliert Sebastian Bodemer: „Auf Ihre Frage, wie man besser informiert werden kann, lässt sich sagen, dass alle von Ihnen genannten Parteien nicht immer ihren Pflichten in puncto Aufklärung nachkommen. Doch eine Gruppe sei hier ganz bestimmt genannt: die Kreditinstitute. Es ist doch unglaublich, was hier als Vermögensberater oder Wertpapierspezialist durchgeht.“ Manfred Schäfer, der sich über seine „großen Verluste“ an der Börse ärgert, beklagt das „Durcheinander der Nachrichten“, das ihn viel Zeit kostet und dennoch: „Ich verstehe vieles nicht.“ Rainer Pfannkuch ist der Auffassung: „Die Kleinanleger kommen erst dann an die Börse zurück, wenn die Informationen besser und schneller geworden sind, damit wenigstens eine kleine Chance gegen die immer unmittelbar informierten Banken gesehen werden kann.“

In der größten Gruppe (gut 31 Prozent) werden – oft mit ähnlichem Hintergrund wie zuvor beschrieben – konkretere Wünsche an die Redaktionen geäußert. Typisch etwa das Schreiben von Wilfried Götz: „Mein Wunsch wäre eine klare Auswertung der Meinung von Analysten, Marktbeobachtern usw.“ Olaf Schulze aus Cuxhaven bringt seine Bitte auf folgenden Nenner: „Gebt dem Kleinanleger durch regelmäßige und wiederholte Erklärungen der in Bilanzen und Geschäftsberichten vorkommenden Schlagwörter die – wenn auch kleine – Möglichkeit, die ansonsten sehr gute Medieninformation durch eine eigene und persönliche Fundamentalanalyse zu ergänzen.“ Mehrere Aktionsteilnehmer, die dieser Rubrik zugeordnet werden können, plädieren einerseits für eine stärkere Berücksichtigung von Nebenwerten des Aktienmarkts, wollen andererseits aber auch Informationen, die besser als bisher die Position/Rolle einer Aktiengesellschaft innerhalb eines Segments/Markts verdeutlicht.

Überhaupt sehen Privatanleger häufig noch Defizite bei Grundsatzinformationen, z.B. über die Größe/Bedeutung von Börsen, Marktkapitalisierungen oder den Zusammenhang von Ölpreisen und Kaufkraftveränderungen. Andreas Tidl wünscht sich eine stärkere Betonung der Risikobetrachtung einzelner Anlageformen. Ergänzend dazu Ronny Beck, der eine kritischere Begutachtung der Seriosität neuer Kapitalanlagen empfiehlt. Nicht nur Martin Bauer aus Bad Mergentheim stört es, „wenn Analysten Kommentare wie kaufen-halten-verkaufen oder auch Kursziele abgeben und keinen konkreten Zeitraum für ihre Empfehlung nennen“. Apropos Zeitraum: Eine Anleger schätzen die Kurzfristigkeit der Marktbetrachtungen nicht (mehr) und wünschen mehr Hinweise zu den längerfristigen Perspektiven.

Die technische Analyse scheint immer mehr Freunde zu gewinnen: Unter den Einzelvorschlägen taucht die Bitte nach mehr Charts und ergänzenden Infos auffallen häufig auf. Außerdem sind in der Gruppe „Konkrete Einzelvorschläge“ (27 Prozent der Zuschriften) u.a. folgende Forderungen zu finden: Übersichten zu aktuellen und geschätzten KGVs, Kurs-Cash-flow-Verhältnisse, Buchwertrelationen (und ähnliche Kennzahlen), Zeitreihen zu Dividenden, mehr Daten von den Terminmärkten, Liste der kommenden Hauptversammlungstermine und die systematische Veröffentlichung von Stimmungsindikatoren.

Unter allen Teilnehmern sind insgesamt zehn Ausgaben von „Das kleine Börsen-Lexikon“ verlost worden. Die Gewinner sind: Stefan Bartonek, Rose M. Brunner, Jose-Luis Diez, Torsten Jungbluth, Martin Mäschke, Lothar Maschlanka, Nils Peters, Andreas Pollandt, Dr. Michael Pragal und Claudia von Schierstedt (der Rechtsweg war ausgeschlossen; die Bücher werden in Kürze versandt).

Hier erreichen Sie den Autoren per Email: h.kutzer@vhb.de

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