Kutzers Corner
Börsenampeln springen auf Gelb

„Schanghai schreckt die Weltmärkte“ – eine Schlagzeile mit historischer Qualität. Man muss sich nur einmal zehn bis zwanzig Jahre zurück versetzen, um – einmal mehr – zu erkennen, dass „Wandel“ und „Globalisierung“ keine überstrapazierten Worthülsen sind:

Eine Kurslawine rollt von China innerhalb weniger Stunden rund um den Globus – wen im Westen hätte eine kommunistische Baisse früher ernsthaft interessiert? Dieser Absturz ist nicht etwa von dramatisch verschlechterten Wirtschaftsdaten oder anderen fundamentalen Daten in der neuen Wachstums-Großmacht ausgelöst worden. Vielmehr sind diverse Einflüsse und Spekulationen zusammen getroffen, um eine überfällige Korrektur auszulösen – Gelegenheit für kritische Marktteilnehmer vor Ort darauf hin zu weisen, dass die Börse Schanghai noch kein Spiegel der wirtschaftlichen Lage oder der Wirtschaftserwartungen ist.

Dennoch stellt sich jetzt auch für Börsianer die Frage, ob China die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten abgelöst habe, ob Schanghai damit New York als Leitbörse der Welt ablöse.

Auch die akute Frage bleibt zunächst offen: Ob die Reaktion in Ost und West kurzfristiger Natur oder der Anfang vom Ende der lang anhaltenden Erholung der Aktienkurse sein wird – kein Mensch (auch kein Analyst) kann dies heute mit Sicherheit beurteilen.

Die Börsenampeln sind zunächst einmal auf Gelb gesprungen. Damit wird auch der letzte Anleger daran erinnert, dass der Aktienmarkt keine Einbahnstraße ist. Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, als das letzte Memo dieser Art geschrieben wurde: Von Anfang Mai bis Mitte Juni 2006 stürzte der Dax um knapp 14 Prozent ab, um sich an schließend fast gradlinig nach oben zu arbeiten.

Gut aufpassen – ja, rasch aussteigen – nein. China bleibt eher ein Hoffnungsfaktor als ein Gefahrenherd für die Weltbörsen. Die größten Risiken liegen anderswo. Und wer gelernt hat, sein individuelles Depotrisiko konsequent zu begrenzen, denn würde selbst eine längere Korrekturphase nicht schrecken. Meinen Optimismus hat diese Turbulenz (noch) nicht erschüttern können.

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