Kutzer's Corner
Die Börse als Vorbild

Trotz Gewinnmitnahmen am Freitag: Die Stimmungswende der ersten Juniwoche ist bestätigt worden. Nicht nur die Börse ist es leid, einseitig und immer wieder die traurige Lage der Nation zu beklagen.

Außerdem erkennen mit jedem Tag mehr Akteure auf den Bühnen von Politik und Wirtschaft die Gefahr des Faktors Zeit: Je länger und intensiver über die Bedrohung von Rezession und Deflation diskutiert wird, um so näher rücken sie. Deshalb sollten sich die Entscheider an der Börse orientieren, denn diese zahlt erstmals seit langem wieder Vorschuss auf die Zukunft. Mit 1 000 Dax-Punkten entsprechend gut 45% Kurserholung in drei Monaten gehört Deutschland zumindest in diesen Charts zur Weltspitze. Zur Erinnerung: Das entsprechende Bild im vergangenen Jahr sah noch ganz anders aus.

Die Interdependenz zwischen Volkswirtschaft und Börse wird mit dem Blick auf die Krisenbranchen Banken und Versicherungen besonders deutlich. Waren es 2002 schwache Konjunktur und Kapitalmärkte, die unsere traditionell soliden Finanzdienstleister so schwächten, dass sie große Teile ihrer Aktienbestände abstoßen oder wertberichtigen mussten - was wiederum die Börse noch mehr schwächte -, so hat jetzt die Rückkehr des Prinzips Hoffnung, durch die aktuelle Reformdiskussion (von der Agenda 2010 bis zum Subventionsabbau) begünstigt, gerade bei Banken und Versicherungen überdurchschnittliche Kurserholungen ausgelöst, wovon diese Unternehmen selbst am meisten profitieren. Und kann die Finanzindustrie wieder aufatmen, freuen sich Wirtschaft und Börse.

Übrigens: Ich flachste dieser Tage mit einem wirklich wichtigen Wirtschaftspolitiker in Berlin. Er hat den Aktienanteil in seinem privaten Depot inzwischen deutlich erhöht, ganz ernsthaft. Wenn das kein gutes Zeichen ist ...

Hier erreichen Sie den Autoren per Email: h.kutzer@vhb.de

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