Kutzers Corner
Die Börse wankt

Jetzt wird sie wieder gestellt, überall und meist mit ängstlichem Unterton: die traditionelle „Kaufen-halten-verkaufen-Frage“ der Aktienfans. Dabei geht es nicht nur um Dax & Co., sondern auch um die heißen Märkte in Asien, Osteuropa und Lateinamerika sowie um Gold, Öl und andere Rohstoffe. Die vergangenen Tage haben den seit Jahren vorherrschenden Optimismus spürbar gedämpft; selbst die Commodities-„Bullen“ halten erst einmal die Luft an. Eigentlich hat sich die Welt gar nicht verändert, es gab nicht einmal einen dramatischen Auslöser. Aber die Sorgen über die weitere Inflations- und Zinsentwicklung nehmen zu, und damit stehen die seit langem bekannten Risikofaktoren für die Finanzmärkte plötzlich wieder im Fokus.

Der Rest lässt sich am besten mit „globalem Herdentrieb“ erklären – erst einmal raus aus den Positionen und Gewinne sichern. Kein Mensch kann jetzt schon wissen, ob die teilweise empfindlichen Preisrückschläge nur eine heftige Korrekturphase sind oder doch das Ende der Aufschwungphase signalisieren. Dementsprechend vorsichtig und uneinheitlich fallen die aktuellen Bestandsaufnahmen der Finanzanalysten aus. Sicher ist zunächst nur die Erkenntnis, dass unsere, lange zu den stärksten gehörende Börse angeschlagen ist. Vermutlich können wir erst in einigen Wochen beurteilen, ob die Hausse k.o. geht oder sich wieder erholt. Also vorsorglich verkaufen?

Jein. Kein Anlageberater sollte solche Fragen pauschal beantworten, auch nicht in einer kritischen Marktphase. Zu unterschiedlich sind doch die Ausgangslagen der individuellen Investoren – von den individuell verschiedenen Risikoprofilen, Laufzeitzielen und Renditeerwartungen ganz abgesehen. Beispiel: Wer Siemens kürzlich bei 75 Euro erworben hat, ist mittlerweile schon ausgestiegen oder tut es jetzt, weil er einer meiner wichtigsten Empfehlungen folgt – Verluste konsequent begrenzen und gleich beim Kauf eine ganz persönliche Verkaufsmarke für den Fall festlegen, dass der Markt gegen einen läuft. Die Differenz zwischen persönlicher Verkaufsmarke und Einstandspreis ist also der Betrag pro Aktie, den man aufs Spiel zu setzen bereit ist. Wer z. B. seine Marke mit 65 Euro fixierte, bleibt engagiert, aber auf dem Sprung, denn Siemens haben ja schon 67 erreicht. Sollte aber derjenige jetzt verkaufen, der diese Aktie noch zu 120 Euro im „Altbestand“ hat? Dieser Anleger mag achselzuckend abwinken, hat er den rechtzeitigen Verkauf doch verschwitzt, und Kurse zwischen 75 und 65 Euro machen für ihn keinen entscheidenden Unterschied.

Noch einmal zur Eingangsfrage: Kaufen sollte jetzt nur der spekulativ eingestellte, besonders mutige Aktienfan. Halten oder verkaufen ist konsequent von der Ausgangslage abhängig zu machen. Wer sich noch keine Verkaufslimite gesetzt hat, sollte dies umgehend nachholen.

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