Kutzers Corner
Europa stellt sich selbst in Frage

Endlich einmal eine Marktbewegung, die plausibel und klar zu erklären ist: Der Euro steht unter Druck, fällt unter 1,23 Dollar, hat sich damit von seinen Frühjahrshochs bei 1,35 Dollar ein ganzes Stück entfernt. Und anders als bei früheren Wechselkurs-Schwankungen sind bisher noch keine Aufschreie zu hören.

Zur Erinnerung: Unabhängig von der Richtung hat es stets wichtige Bedenkenträger gegeben, die entweder eine zu feste oder eine zu schwache Währung öffentlich beklagten. Jetzt kommt die eher lapidare Feststellung, die jüngste Korrektur nütze unserer Exportwirtschaft und stütze die lahmende Konjunktur.

Vielleicht wäre aber gerade in diesen Tagen nachdenkliches Stirnrunzeln angesagt. Denn das französische Votum vom Sonntag ist mehr als nur ein Betriebsunfall (mal sehen, ob der nächste Rückschlag für die EU-Verfassung schon heute erfolgt, durch die Holländer). Die Euro-Schwäche spiegelt zugleich die zunehmenden Wirtschaftssorgen der alten Welt wider. Europa, das globale Wachstums-Schlusslicht, kommt nicht in die Gänge.

Man könnte auch von einem Rohbau sprechen, der gefährlich ins Wanken gerät – die Europa-Kritiker melden sich zurück. Erst die verzweifelte Aufweichung der Maastricht-Kriterien, nun ein Verfassungsdebakel – ist damit die Gemeinschaftswährung ernsthaft in Gefahr?

Ich kann mir das noch nicht vorstellen. Aber das gerade erst erweiterte Europa mit seinen gewaltigen nationalen Problemen ist tatsächlich dabei, sich selbst in Frage zu stellen. Wenn dies zu einer nachhaltigen Entwicklung, zu einem Trend werden sollte, dann „Good bye Europa“, dann sind europäische Aktien kein „Good Buy“, also kein guter Kauf mehr!

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