Kutzer's Corner
Europas Schulden-Taktik

Die Schweden haben „Nej“ zum Euro gesagt – im Grunde keine Überraschung. Natürlich Bedauern bei europäischen Nachbarn, wenngleich die Gemeinschaftswährung unter dem skandinavischen Votum nicht leiden wird.

Der Euro könnte eher dann unter Druck geraten, wenn seine Erfinder endgültig ihre Glaubwürdigkeit verloren haben – was wir nicht hoffen sollten! Immer lauter war in den vergangenen Wochen die Kritik an der mangelhaften Haushaltsdisziplin der EU-Mitgliedsstaaten geworden, nicht zuletzt seitens der Europäischen Zentralbank. Inzwischen ist ja klar, dass nicht nur Berlin die Schuldenobergrenze des Stabilitätspakts von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht einhalten wird, sondern auch Paris und die Anderen – und das nicht nur für ein Jahr. Die Finanzminister haben am Wochenende das Bekenntnis zum Pakt bekräftigt – was für eine überzeugende Leistung! Und Frankreich hat angekündigt, ab 2005 die 3-Prozent-Grenze wieder einzuhalten – na also!

Zur Erinnerung: Der Stabilitäts- und Wachstumspakt soll den Euro vor den Folgen übermäßiger Staatsverschuldung schützen. Denn nach einiger Zeit führen hohe Defizite zu Inflation und steigenden Zinsen, was wiederum das Wirtschaftswachstum drosselt.

Aber: Alles ist bekanntlich relativ. Und vielleicht ist das Überschreiten der Schuldengrenze nicht etwa ein Notfall, sondern eine taktische Maßnahme. Denn die US-Defizite wachsen noch dramatischer, was den Dollar nachhaltig unter Druck setzen könnte. Ein damit zu fester Euro kann den Europäern aber gar nicht Recht sein, weil das eine stärkere Konjunkturbelebung wohl verhindern würde. Die parallele Ausweitung der Staatsverschuldung diesseits wie jenseits des Atlantiks ist also sinnvoll und trägt zur Stabilität bei – oder?

Hier erreichen Sie den Autoren per E-Mail: h.kutzer@vhb.de

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