Kutzers Corner: Gier on Tour

Kutzers Corner
Gier on Tour

Zwei smarte Vertriebprofis auf der Suche nach attraktiven Produkten: „Haben Sie etwas mit mindestens 40 Prozent Rendite per anno?“ Der alte, aber bekannt innovative Fondsanbieter blickt den Fragenden kritisch in die Augen und antwortet mit dezent ironischem Unterton: „Das kann ich Ihnen erst am Jahresende sagen.“ Unter Hinweis darauf, dass ein anderer Anbieter solche Renditen garantiere, zieht man weiter.

Ein Randereignis in Mannheim, wo sich die Investment-Community wieder zum alljährlichen Kongress versammelte. Aktien seien wieder in, selbst bei den Skeptikern, wurde von allen Seiten betont. Jetzt wirke sich aus, dass viele Privatanleger und ihre Anlageberater den Zug verpasst hätten. Zugleich registrierten alte Hasen, was schon die geschilderte Episode zeigt: Die Performance gewinnt an Bedeutung, Kapitalerhalt verliert die Priorität. Auch auf anderen Anleger-Events breitet sie sich allmählich wieder aus – die Gier. Sie ist ein böser Geist der privaten Anleger. Der andere, die Angst, wird zunehmend verdrängt.

Deshalb taucht die Frage auf: Sind wir schon wieder soweit? Hat die Übertreibungsphase am Aktienmarkt längst begonnen? Ich bleibe bei meinem Nein – ganz ungeachtet aktueller Konjunktur- und Unternehmensdaten und losgelöst von daran hängenden Inflations- und Zinsprognosen. Denn: Die Beobachtungen zur psychologischen Verfassung der Börse, zur Stimmungslage, sind ja differenzierter denn je. Und solange nicht alle auf einer Seite stehen, droht keine böse Überraschung in Form einer dramatischen Trendwende. Denken Sie daran: The trend is your Friend. Und Trends dauern meist länger, als es die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet. Auf der einen Seite geht die Gier wieder auf Reisen, werden Renditeziele da und dort unvernünftig hoch gesteckt. Andererseits signalisieren die wöchentlichen Stimmungsindikatoren wachsenden Pessimismus unter den Anlegern. Heftige Kursschwankungen? Fehlanzeige. Nach dem ersten Monat des Jahres darf festgestellt werden, dass von der allseits angekündigten Steigerung der – gefährliche Unsicherheit verheißenden – Volatilität bisher nichts zu sehen ist. Der Dax hat nach undramatischen Verlauf im Januar 2,9 % zugelegt – gut für Haussiers, aber kein Anzeichen von Euphorie.

Mir gefällt die Börse noch immer. Und jeder, der jetzt ängstlich aussteigt, muss sich und seinen Berater die Frage nach den Alternativen stellen. Mitmachen, aber mit bewusster Vorsicht und bescheidenen Renditezielen – dann sollte sich der Aktienmarkt weiter lohnen!

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