Kutzers Corner
Nicht nur der Index zählt

Die meisten Prognosen liegen auf dem Tisch, jetzt gilt es sie umzusetzen. Eine Erfolg versprechende Strategie zu entwickeln, fällt aus heutiger Sicht aber nicht leichter als vor Jahresfrist.

Der Grund: Die weltwirtschaftlichen Aussichten sind diffus, die Wachstumserwartungen differenziert, die Anforderungen an die Geldpolitik gegensätzlich. Bei der Suche nach einem gemeinsamen Nenner der aktuellen Analysen und Vorhersagen stößt man zumindest auf zwei Punkte: Zum einen wird sich das globale Wirtschaftswachstum 2005 abschwächen, aber immer noch ganz ordentlich (und über der europäischen Zuwachsrate) bleiben. Zum anderen rückt die Aktienanlage in den Vordergrund der strategischen Überlegungen global operierender Investoren, während Anleihen zunehmend als riskant oder bereits zu teuer gelten. Stehen wir also vor einem „Jahr der Aktie“?

Darauf wagt selbst der Optimist noch nicht zu hoffen. Wahrscheinlich wird uns auch 2005 keine klassischen, stabilen Trends bescheren. Überhaupt sollte sich der Privatanleger spätestens bei der konkreten Auswahl seiner Anlageobjekte von Pauschaleinschätzungen verabschieden und erkennen, dass es nicht nur auf den Index ankommt, sondern genau nach Branchen und Einzelwerten unterschieden werden muss. Hinzu kommt dann auch die Frage, in welcher Form er sich engagiert – ob direkt, über ein Termingeschäft, Optionsschein, Zertifikat oder über einen Fonds. Bei internationaler Streuung ist schließlich die Währungskomponente zu berücksichtigen.

Zum Verständnis hilft ein Blick zurück. Beispiele: 2004 war kein uneingeschränktes Jubeljahr für die populär gewordenen Rohstoffe oder die allseits empfohlenen Emerging Markets. Denn Gold auf Dollarbasis präsentierte sich zwar in Rekordlaune, aber nur zeitweise und unter Rückschlägen, in Euro gerechnet sogar enttäuschend. Und während Chinas Wirtschaft boomte, schwächten sich die chinesischen Aktienkurse überraschend stark ab. Wie differenziert sich die Aktienmärkte wieder einmal entwickelt haben – und das trotz erheblich gesunkener Volatilität –, belegt schon die Nabelschau: An der Spitze der Hitliste unter den 30 Dax-Werten stehen Continental, Schering und Adidas-Salomon mit einer Jahresperformance von über 50 % bzw. über 30 %. Weit abgeschlagen dagegen Lufthansa, Volkswagen und Infineon, die sich um knapp 20 % bis knapp 30 % abgeschwächt haben.

Wenn Sie jetzt häufiger Allgemeinempfehlungen lesen wie „Kreative Strategien entwickeln“ und „Verstärkt auf Qualität setzen“ oder „... nur beimischen“, dann kommt darin eben auch zum Ausdruck, dass sich zur Zeit kein einzelner Anlagemarkt aufdrängt, auf den man alles setzen sollte. Wem all das zu unsicher klingt, der möge abwarten. Die Börsenaktivisten dagegen sollten sich für eine Mischung/Risikostreuung entscheiden, die ihrer Geschmack entspricht.

Übrigens: Ich bleibe dabei, dass im kommenden Jahr eine Übergewichtung von Aktien deutscher/europäischer Top-Unternehmen angesagt ist.

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