Kutzers Corner: Sind auch Sie „informationselastisch“?

Kutzers Corner
Sind auch Sie „informationselastisch“?

Dass die individuelle Informationsverarbeitung immer schwieriger wird, erkennen die Privatanleger mit jedem Börsentag deutlicher.

Norbert K. aus W. fragt an, wie die (vorübergehend) freundliche Börsenphase vor einem Jahr zustande gekommen und mit der aktuellen Tendenz zu vergleichen sei. Die Recherche bestätigt Parallelen und Unterschiede, zeigt häufige Schwankungen der Stimmung und Richtungswechsel der Kurse auf. Somit kann dem Aktien-Fan keine eindeutige Antwort gegeben werden, leider. Dass die individuelle Informationsverarbeitung immer schwieriger wird, erkennen die Privatanleger mit jedem Börsentag deutlicher. Das hat im Grunde nichts mit einem übergeordneten Thema wie dem Irak-Krieg zu tun, doch erschwert dieser die Meinungs- und Entscheidungsbildung zusätzlich - und ganz erheblich!

Die Deutsche Bundesbank widmet dieser Entwicklung einige Passagen im jüngsten Monatsbericht. Nüchtern stellt sie darin fest, dass sich die Menge verfügbarer Nachrichten und die Geschwindigkeit, mit der sie bereit gestellt und verarbeitet werden können, enorm erhöht hat. Marktteilnehmer verfügen heutzutage über eine Vielzahl von ganz aktuellen Informationen aus aller Welt, auf die sie rasch reagieren - sprich: kaufen oder verkaufen - können.

Als Folge davon sind die Märkte in den vergangenen Jahren "informationselastischer" geworden. Die Kehrseite sind zunehmende Kurzatmigkeit des Anlegerverhaltens, hohe Volatilität der Kurse, verstärkte Unsicherheit.

Dass der Börsenhype viele Fehlentwicklungen begünstigte, sein jähes Ende dann viele Anleger schädigte und schließlich viel Vertrauen verloren ging, hat das Informationsverhalten in ein kritisches Licht gerückt. Auf verschiedenen Ebenen - von den Wertpapierschützern bis zur Bundesregierung - wird deshalb an der Qualitätssicherung marktrelevanter Informationen gearbeitet.

Aber selbst wenn es gelänge, zum Investor wirklich nur zuverlässige Daten und Informationen zu transportieren: Prognosen und Analysen müssen in einem sich rasch verändernden und von globaler Vernetzung gekennzeichneten Börsenumfeld ständig korrigiert werden. Die Kurzfristorientierung lässt sich nicht mehr aus den Köpfen und von den Marktplätzen verdrängen.

Damit kommt auf den Anleger selbst mehr Verantwortung zu. Vor allem muss er lernen, dass Information zunächst nur ein Rohstoff ist, der wie andere Commodities erst durch seine Aufbereitung und Veredlung wertvoll wird.

Hier erreichen Sie den Autoren per Email: h.kutzer@vhb.de

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