Kutzers Corner: Viele Anleger sind zu ängstlich

Kutzers Corner
Viele Anleger sind zu ängstlich

Unser Aktienmarkt präsentiert sich nach wie vor in guter Kondition. Dass der Aufstieg allmählich schwerer fällt und die Schritte dementsprechend langsamer werden, ist nur natürlich. Deshalb hoffen viele Börsianer jetzt auf eine baldige Verschnaufpause. Selbst die bekennenden Optimisten unter den Anlageexperten, die das Erreichen der 6 000er Marke in absehbarer Zeit erwarten, würden eine „Konsolidierungsphase“ begrüßen, weil sie als gesund gilt und wichtig für eine anschließende Fortsetzung des Aufwärtstrends wäre. Die damit verbundenen Kurskorrekturen könnten dann von jenen Anlegern genutzt werden, die bisher noch keinen Mut zu einem Wiedereinstieg in den Aktienmarkt gefunden haben. Kommen aber die privaten Anleger mehrheitlich wieder zu spät, wie dies in der Vergangenheit schon oft der Fall war?

Skeptiker werden diese Frage mit einem überzeugten Ja beantworten. Tatsächlich müssen einige jüngere Statistiken nachdenklich stimmen. So kommentierte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) seine jüngste Statistik zwar mit der Überschrift „Vertrauen in die Aktie stabilisiert sich“. Bei genauerem Blick auf die halbjährliche Erhebung zeigt sich aber, dass die Gesamtzahl der Aktionäre (Direktanlage, Aktienfondsbesitzer) nur in der ersten Hälfte 2005 deutlich gestiegen und anschließend – trotz fester Börse! – unverändert geblieben ist. Ein „Run“ der Bundesbürger auf die Dividendenwerte hat also auch im dritten Jahr ihrer Kurserholung noch nicht eingesetzt. Richtig enttäuschend ist aber die am vergangenen Freitag vorgelegte Januarstatistik der Investmentbranche. Zwar sind den Publikumsgesellschaften zum Jahresbeginn wieder beträchtliche Mittel zugeflossen, doch galt dies nur für die Sicherheit verheißenden Geldmarkt- und die Rentenfonds, während sich bei den Aktienfonds nach einem schon flauen Dezember so gut wie gar nichts tat (Zu- und Abflüsse waren praktisch ausgeglichen) – das schlechteste Ergebnis seit Jahren. Überraschend dagegen, dass der Boom bei den Zertifikaten unvermindert anhält.

Dass im Januar mit sage und schreibe 4,2 Mrd. Euro (nach gut 3 Mrd. Euro im Dezember) nochmals ein enormes Volumen an offenen Immobilienfonds zurück geflossen ist, kann angesichts der dramatischen, krisenhaften Entwicklung bei einzelnen Branchenvertretern nicht verwundern. Inzwischen habe sich das Anlegerverhalten aber beruhigt, berichtet der Investmentverband BVI. Offenbar ist ein großer Teil der dadurch frei werdenden Mittel in Geldmarktfonds und Rentenfonds geparkt worden, deren Zuflüsse addiert exakt 4,2 Mrd. Euro ausmachen, davon 3,0 Mrd. Euro allein auf die Geldmarktfonds. Angesichts anhaltend niedriger Zinsen, die tendenziell in der Zukunft eher etwas steigen als fallen könnten, ist solche Vorsicht aber übertrieben und unrentabel. Es gibt einfach bessere (attraktivere) Alternativen als solche Zinspapiere.

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