Kutzer's Corner
Wenn sinkende Zinsen kein gutes Signal sind

Fast heimlich, still und leise kommt es am Kapitalmarkt zu einer sensationellen Überraschung: „Analysten befürchten Zinssprung“, lautete das Ergebnis einer großen Handelsblatt-Umfrage, die noch kein halbes Jahr alt ist. Schon für 2004 hatten die Banken mit ihrer Renditeprognose weit daneben gelegen. Und danach sieht es jetzt wieder aus.

Denn von einem steilen Zinsanstieg kann ja keine Rede sein, im Gegenteil, unsere Kapitalmarktrenditen seilen sich immer weiter ab, erreichen immer neue Tiefstände. So liegt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen inzwischen nur noch bei 3,20 Prozent. Die Banken haben im Durchschnitt gut 4,80 Prozent für Ende 2005 prognostiziert. Daraus wird nichts.

Die meisten Experten sind ratlos. Selbst der amerikanische Notenbank-Chef Alan Greenspan sprach einmal von einem Zinsrätsel. Zentrale Faktoren sind zweifellos das Ausbleiben neuer Inflationstendenzen sowie enttäuschende Konjunk-turverläufe. Deshalb verändern sich jetzt auch die Perspektiven für die Leitzinsen beiderseits des Atlantiks: Der Zinssteigerungstrend in Amerika könnte unterbrochen werden, und Europa diskutiert immer lauter Sinn und Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der EZB – von der ich übrigens glaube, dass sie konjunkturell überhaupt nichts brächte. So erfreulich das anhaltende Zinstief aus Sicht der Kreditnehmer auch sein mag, die Anleger muss es nachdenklich stimmen, denn Geld ist eben nicht knapp und teuer, doch es wird nicht investiert und sorgt nicht für eine dringend erforderliche Wachstumsbelebung. Schon warnen erste Stimmen, Europa stünde am Rand einer Rezession. Das, liebe Anleger, ist kein Klima, das neuen Mut macht...

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