Kutzers Corner
Wer die Wahl hat ...

Lassen Sie uns doch spekulieren – spätestens jetzt, nach der Vorentscheidung vom 1. Juli, macht das Sinn. Und nehmen wir dabei mit, was die Börse bereits antizipiert hat: Es wird zu vorgezogenen Neuwahlen Mitte September kommen, es wird dann den erhofften Machtwechsel geben, also ein klare Mehrheit für Schwarz-Gelb mit Deutschlands erster Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze. Und dann?

Szenario 1: Bis zum Wahltermin nimmt das internationale Interesse an deutschen Aktien weiter zu, denn alle Welt setzt auf eine starke, mutige Regierung, die einen erkennbar wirtschaftsfreundlichen Kurs beschließt und die großen Reformvorhaben zügig voran bringen will. Das ist Musik für die Ohren der Unternehmer, Manager und Investoren: Der Standort Deutschland erfährt ein Upgrade, steht plötzlich wieder im internationalen Rampenlicht, und die Börse boomt vorauseilend. Aktiengesellschaften beginnen verstärkt zu investieren (statt auszuschütten), überall werden neue Arbeitsplätze geschaffen, das gesamtwirtschaftliche Wachstum nimmt Fahrt auf und sorgt für neuen Schwung in ganz Europa, die Haushaltslage entspannt sich, und, und, und ...

Wer das glaubt, sollte längst im Dax (und seiner Familie) investiert sein und braucht auch jenseits der bald erreichten 5000er-Marke nicht nervös über Gewinnmitnahmen nachzudenken.

Szenario 2: Bis zum Wahltermin gilt Szenario 1 mit der Einschränkung, dass der Börse aus mindestens zwei Gründen allmählich die Puste ausgeht: Die internationalen Wirtschaftsprobleme nehmen weiter zu (mit oder ohne weiter steigenden Ölpreisen), der Optimismus hinsichtlich eines Kurswechsels in Berlin weicht einer skeptischeren Einschätzung. Nach dem Machtwechsel wird rasch deutlich, wie gering die Handlungsspielräume auch der neuen Regierung sein werden – einmal wegen der leeren Kassen, zum anderen wegen des starken Einflusses der Interessengruppen. Steuererhöhungen (Mehrwertsteuer) und die Versuche tiefer Einschnitte in das soziale Netz rufen erst die Gewerkschaften auf den Plan und dann die Bürger auf die Straße – eine Phase sozialer Unruhen bahnt sich an. Die Reformpolitik gerät erneut ins Stocken. Wer das glaubt, sollte sich wie ein Trader verhalten und kurzfristig immer wieder Kursgewinne mitnehmen. Schon kurz nach der Wahl drohen – nach nochmaligem Aufflackern – Kurskorrekturen, die Höchststände werden bis auf weiteres nicht mehr erreicht.

Sichern fallen Ihnen weitere Szenarien ein. Quälen Sie sich, liebe Wähler! Es lohnt sich, über die politischen Börsen der kommenden Monate nachzudenken und entsprechend zu disponieren. Eine neue Sorte Optimisten (die bisherigen Skeptiker) betritt das Spielfeld. Ich kenne allerdings Menschen, deren Ur-Optimismus vom bevorstehenden „Neuanfang der Republik“ (?) noch nicht aufgefrischt worden ist. Aber das kann ja noch kommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%