Kutzers Corner
Wissen statt Paragraphen

Wenn schon die Kurse alles andere als ermutigend sind, dann versucht wenigstens der Gesetzgeber etwas für seine armen Schafe zu tun: Das „Anlegerschutzverbesserungsgesetz“ ist jetzt in Kraft getreten.

Damit kommt es zu wesentlichen Veränderungen im Bereich des Insiderrechts, der Ad-hoc-Publizität und der sogenannten Director’s Dealings. Dieser und weitere Schritte beruhen auf entsprechenden EU-Initiativen, die wiederum Reaktionen auf die Fehlentwicklungen rund um die Kapitalmärkte der vergangenen Jahre sind. Und es geht weiter: Der Deutsche Bundestag hat das „Bilanzkontrollgesetz“ und das „Bilanzrechtsreformgesetz“ auf den Weg gebracht. Auch hier ist das Ziel ein verbesserter Anlegerschutz. Inzwischen hat die Europäische Kommission als Konsequenz aus den internationalen Finanzskandalen zwei neue Vorschläge zur Unternehmensführung und -kontrolle (Corporate Governance) auf den Tisch gelegt.

Eigentlich gute Nachrichten für die Privatanleger – wäre da nicht das ungute Gefühl, dass mittlerweile zuviel des Gutgemeinten getan wird. Außerdem ist zu bezweifeln, dass durch immer neue Gesetze auch die erhoffte Transparenz geschaffen wird. Durchblick? Von wegen! Wir befinden uns längst in einer neuen Ära der Reregulierung. Dieser Trend wird aber nicht von parallelen Fortschritten der Betroffenen begleitet: Die Bundesbürger leiden nach wie vor, wie mehrere aktuelle Untersuchungen belegen, unter erschreckenden Wissensdefiziten bei Geldfragen. Ob Altersvorsorge oder Investmentfonds, um nur ein zwei markante Beispiel zu nennen, die Familien Schmidt und Müller sind noch immer auf einem viel zu niedrigen Informationsstand. Mit anderen Worten: Beim Geldausgeben ist der Deutsche ein bekannt kritischer Kunde, beim Geldanlegen ist er davon noch weit entfernt.

Die Konsequenz darf doch nicht sein, ihn durch einen immer dichteren Paragraphendschungel schützen zu wollen. Vielmehr liegt die erste Priorität auf der Hand: Mehr Wissen vermitteln, damit der Bundesbürger eigenverantwortlich und kritisch mit den Anbietern von Finanzprodukten und -dienstleistungen umzugehen lernt.

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