Kutzers Corner
Zwischen Zinshoffnung und Konjunkturbangen

Wie geht’s eigentlich weiter? So wechselhaft der Nachrichtenfluss über die Börsen und ihr Umfeld in den vergangenen Wochen wieder geworden ist, so unklar bleibt der Blick nach vorn.

Aber das kennen wir ja. Der besondere Reiz in der aktuellen Börsenbetrachtung liegt in der Gewichtung zweier zentraler Faktoren: Wird die Tendenz in den kommenden Wochen und Monaten vor allem von der Einschätzung der Unternehmensgewinne und des Wirtschaftswachstums bestimmt, oder werden die Inflations- und Zinsperspektiven im Mittelpunkt stehen? Der Börsenneuling dürfte „vernünftig“ argumentieren, dass es letztlich darauf ankommt, wie es den Aktiengesellschaften geht. Erfahrene Anleger wissen hingegen, dass es – bezogen auf die Trendphasen – weniger auf (fundamentale) Wirtschaftsdaten ankommt, sondern meist die (monetären) Liquiditäts- und Zinseinflüsse den Ausschlag geben.

Deshalb ist nicht auszuschließen, dass enttäuschende Konjunkturindikatoren vom Aktienmarkt positiv aufgenommen werden. Mit anderen Worten: Keine Angst von den neuen Indizes des ZEW und des Ifo, die in dieser Woche anstehen. Sollten sie nämlich eine konjunkturelle Abkühlung signalisieren, dann würden die Sorgen der Marktteilnehmer über die Gefahr weiter steigender Inflationsraten und Leitzinsen fast automatisch verfliegen. Amerika macht es uns vor, denn Wall Street freut sich sichtlich über die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Europa ist zyklisch noch nicht so weit. Deshalb wäre es fatal, wenn unsere Wirtschaft schon im kommenden Jahr wieder in die Knie ginge.

Berechtigt ist zwar beides – das Hoffen auf ein Ende des Zinsanstiegs und das Bangen um das Ausmaß der Wachstumsverlangsamung. Was mit welchem Gewicht im Herbst unsere Börse bewegen wird, ist damit aber nicht sicher. Wahrscheinlich wird die Gewichtung für das Tagesgeschehen noch mehrfach wechseln. Somit sind der Kurssteigerungsfantasie enge Grenzen gesetzt, ein neuer Höhenflug von der gegenwärtigen Basis aus ist nicht in Sicht. Andererseits droht aber auch kein Absturz. Aktienfans möchte ich deshalb empfehlen, sich zunächst auf wechselhafte Börsen einzustellen.

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