Kwai ist Knoblauch aus China
Lichtwer bekämpft Wehwehchen

Die Berliner Pharmafirma Lichtwer ist nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Nun will sie Marken wie Kwai wieder flott machen.

Die Sünden der Vergangenheit hat Norbert Holzer stets im Blick. Von seinem Bürofenster im Norden Berlins aus hat der Chef der Lichtwer Pharma AG freie Sicht auf den prächtigen Neubau einer Produktionsanlage für Pillen und Kapseln. Der Komplex wird jedoch nur zur Hälfte genutzt: Leer stehende Werkräume und Labore zeugen vom gescheiterten Expansionsdrang des Herstellers von Kwai-Knoblauchpillen, Sie wirken wie ein Mahnmal aus der Zeit, als Lichtwer kurz vor dem Aus stand.

Doch diese Zeit ist vorbei. "Totgesagte leben länger, als manchen Konkurrenten lieb ist", sagt Holzer trotzig. Er hat Lichtwer in den vergangenen 18 Monaten erfolgreich saniert, obwohl seine Diagnose beim Amtsantritt im August 2001 äußerst düster war. Trotz starker Marken wie Kwai befand sich der Hersteller pflanzlicher Arzneien auf rasanter Talfahrt: Er hatte binnen vier Jahren ein Drittel des Umsatzes verloren, war hoch verschuldet und tief in den roten Zahlen geraten.

Das Unternehmen hatte sich verhoben, nachdem es Mitte der 90er Jahre kräftig in neue Produktionsanlagen investierte und zusätzlich zum Verkauf in der Apotheke den Vertrieb über den Einzelhandel wagte. Folge: Lichtwer geriet in den gnadenlosen Preiskampf von Aldi, Schlecker & Co und damit fast in die Zahlungsunfähigkeit. Zwar hat Lichtwer gegen fast jedes Wehwehchen etwas im Angebot - ob Knoblauch für den Blutfluss, Johanniskraut gegen depressive Verstimmungen oder Artischocken-Extrakt gegen Verdauungsschwierigkeiten Doch gegen die eigenen Malaise fehlte dem Unternehmen lange das geeignete Mittel.

Dies brachte Holzer mit. "Es wurden typische Fehler von Mittelständlern gemacht", sagt er rückblickend. "Man hat zu lange an der alten Erfolgsstory festgehalten und war für neue Sichtweisen nicht offen." Holzer, der seine Sporen in der Markenartikelbranche verdiente, griff zu einer schmerzhaften Therapie: Er halbierte die Belegschaft auf 170 Mitarbeiter. und schloss einen Produktionsstandort. Das wirkte: Im vorigen Jahr hat Lichtwer den Umsatz bei 52 Millionen Euro gehalten und wieder einen Betriebsgewinn erzielt.

Nun will Holzer das Produktportfolio von Lichtwer aufpeppen, damit die Produktionsanlage in Berlin wieder besser ausgelastet wird. Dazu will er nicht nur die alte Erfolgsstory Kwai wiederbeleben: Lichtwer plant Dachmarken, die sich medizinischen Indikationen und Themen widmen. Kwai soll künftig nicht länger nur als Knoblauchpulver gegen Arterienverkalkung gelten: Mit "Kwai Vitabetics" ist ein Mittel bereits auf dem Markt, dass Nahrungsergänzung mit pflanzlichen Stoffen bietet. Die Johanniskraut- Marke Jarsin soll nicht länger allein für ein Mittel gegen Depressionen stehen, sondern als Dachmarke für Vitalität. Denn das Kraut wirkt offenbar auch gegen Neurodermitis.

>"Wir wollen ausschließlich über solche neuen Produkte wachsen", sagt Holzer. Sie werden mit wissenschaftlichen Studien unterlegt und nur noch über Apotheke und Arzt verkauft - dem Vertrieb über den Einzelhandel hat Lichtwer nach der leidvollen Erfahrung abgeschworen. Geld sollen aber nicht nur neue Produkte bringen, sondern auch weitere Kostensenkungen. An denen hat Holzers fast diebischen Spaß: "Wenn man als Manager aus der Markenartikelbranche in eine Pharmafirma kommt", erläutert er, "dann lacht Sie überall das Geld an, das der Pharmamanager nicht sieht."

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