La Réunion als Terrorismus-Ziel
Marokkaner gesteht Planung von Anschlägen in Deutschland

Ein in Frankreich gefasster Marokkaner hat gestanden, Anschläge auf US-Militäreinrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Wie am Freitag aus Justizkreisen in Paris verlautete, soll der 34-Jährige der Hamburger El-Kaida-Zelle nahe stehen, die die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA verübte.

HB/dpa PARIS/KARLSRUHE. Details über in Deutschland geplante Aktionen wurden am Freitag noch nicht bekannt. Der Marokkaner, Karim M., habe 14 Jahre lang in Deutschland gelebt, hieß es in Paris. Er war am Sonntag am Flughafen Charles de Gaulle festgenommen worden.

Sein mutmaßlicher Komplize, ein 36-jähriger Deutscher polnischer Abstammung, wurde zu Beginn der Woche ebenfalls in der französischen Hauptstadt gefasst. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Mann sollte dem Ermittlungsrichter an diesem Samstag vorgeführt werden. Der zum Islam konvertierte Christian G. gilt als Mitwisser des Anschlags auf eine Synagoge auf der tunesischen Ferieninsel Djerba. Dabei waren im April vorigen Jahres 21 Menschen getötet worden, unter ihnen 14 Deutsche.

Kurz nach dem Anschlag auf die tunesische Synagoge hatte die deutsche Polizei Christian G. kurzfristig festgenommen. Er hatte kurz vor dem Anschlag einen Anruf des tunesischen Selbstmordattentäters erhalten. Wegen mangelnder Beweise war er allerdings wieder freigelassen worden. In seiner Wohnung fand die Polizei die Telefonnummer des Marokkaners Mounir El Motassadeq, der inzwischen in Hamburg wegen seiner Beteiligung an den Terroranschlägen vom 11. September zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Die deutschen Behörden hatten im Mai mitgeteilt, Christian G. sei in Saudi-Arabien festgenommen worden.

Deutschland kann seine Auslieferung indes nicht verlangen. Eine entsprechende Erklärung des Bundesjustizministeriums bestätigte am Freitag ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Er fügte hinzu: "Wir können zum weiteren Verfahren derzeit keine Angaben machen."

Weil es der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof (BGH) erst vor wenigen Wochen abgelehnt hatte, den von Generalbundesanwalt Kay Nehm beantragten Haftbefehl gegen den 36 Jahre alten Deutschen zu erlassen, sei derzeit alles offen. Zur Beschwerde, die die Bundesanwaltschaft dagegen einlegte, stehe die Entscheidung noch aus, sagte der Sprecher. Aus dem Bundesjustizministerium hieß es, Frankreich nehme sein Strafverfolgungsinteresse wahr, da unter den Opfern von Djerba auch Franzosen waren.

Karim M. hatte Berichten aus Paris zufolge auch Anschläge gegen touristische Einrichtungen auf der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean geplant. Gegen ihn wurden Ermittlungen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet. Er soll auch an Terror-Lehrgängen in Afghanistan und Bosnien teilgenommen haben.

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