Label sollten Bringschuld einlösen
Bertelsmann forciert legalen Online-Musikhandel

Andreas Schmidt, Chef der Bertelsmann-E-Commerce-Group, will Musikfans in Zukunft einen attraktiveren Zugang zu legaler Musik im Internet ermöglichen. Das neue BMG-Angebot soll auch auf den Internetseiten von BOL, Barnes & Noble und CDNOW zu finden sein.

Reuters HAMBURG. Im Kampf gegen die Musikpiraterie im Internet hat die Bertelsmann E-Commerce-Group (BeCG) die Musikindustrie aufgefordert, schnell den legalen Online-Handel mit Liedern zu ermöglichen. "Die Musikindsutrie muss schleunigst digitale Musik in sicheren, kopiergeschützten Formaten zur Verfügung stellen, damit die Nachfrage der Konsumenten befriedigt werden kann", sagte BeCG-Chef Andreas Schmidt am Donnerstag. Das sei eine Bringschuld, die die großen Platten-Unternehmen bisher noch nicht erfüllt hätten.

Musikpiraterie im Internet hatte kürzlich Schlagzeilen gemacht, als ein US-Gericht wegen der Verletzung von Urheberrechten die Schließung der Online-Musik-Tauschbörse Napster angeordnet hatte. Der Beschluss wurde von einer höheren Instanz vorläufig ausgesetzt. Rund 20 Millionen Napster-Nutzer können über die Homepage des kalifornischen Unternehmens kostenlos Musiktitel tauschen. Andere Musikbörsen wie Gnutella vermitteln den direkten Tausch von Songs zwischen zwei Nutzern. Der Musikindustrie entsteht durch die Musikpiraterie im Internet jedes Jahr ein Schaden in Milliardenhöhe.

"Solange es keine legalen Angebote gibt, wird auch kein Gericht der Welt die illegale Nutzung von Musik über Gnutella - oder andere Angebote - effektiv stoppen können", sagte Schmidt weiter. "Der Tausch von Musikdateien über das Internet wird ungebremst weitergehen." Der Erwerb von Musik aus dem Internet wird durch das Programm MP3 ermöglicht. Damit können die Datenmengen von Musikstücken so reduziert werden, dass ein Download - also die Übertragung auf den eigenen Computer - relativ schnell möglich ist.

Nach Ansicht von Schmidt sind Musikfans durchaus bereit, für digitale Produkte zu bezahlen. Das beweise das neue Buch von Stephen King. Der US-amerikanische Besteller-Autor veröffentlicht sein neues Buch "The Plant" ausschließlich im Internet - allerdings Kapitelweise. Ein neues Kapitel folgt erst, wenn mindestens dreiviertel der Leser für ihren Download einen $ zahlen. "Es wird auch von Napster-Usern allgemein akzeptiert, dass auch Musiker für ihre Musik entlohnt werden müssen", sagte Schmidt weiter. "Sie wissen, dass ohne das Copyright ein Künstler brotlos wird."

Neue Download-Seite startet nächste Woche

Schmidt kündigte an, dass die Bertelsmann Music Group (BMG) schon in der kommenden Woche eine Download-Seite starten wird. Die Bertelsmann-Tochter, die weltweit zu den Marktführern der Musikindustrie gehört, hatte angekündigt, ihren gesamten Katalog gegen Gebühr im Internet anzubieten. BMG gehört über den Verband der US-Plattenindustrie zu jenen Klägern, die ein Abschalten der Napster-Seite per Gerichtsurteil erreichen wollen. Schmidt zufolge soll das BMG-Online-Angebot nach einer Einführungsphase auf den E-Commerce-Seiten von Bertelsmann angesiedelt werden: bei den Internet-Buchhändlern BOL und BarnesAndNoble.com sowie auf CDNow.

Die Bertelsmann AG hatte Anfang Juni die E Group-Commerce mit dem Ziel gegründet, ihre weltweiten Aktivitäten im elektronischen Handel (E-Commerce) auszubauen. Andreas Schmidt war vor seinem Wechsel an die Spitze der BeCG Chef von AOL Europe.

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