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Labrador bleibt rot

Dass die Labrador-Halbinsel im Zentrum des Interesses der Kanadier liegt, kann nun wirklich nicht behauptet werden. Wenn es in Kanada Regionen "am Rande" gibt, dann gehört Labrador sicher dazu.

Dass die Labrador-Halbinsel im Zentrum des Interesses der Kanadier liegt, kann nun wirklich nicht behauptet werden. Wenn es in Kanada Regionen "am Rande" gibt, dann gehört Labrador sicher dazu. Ein riesiges Gebiet, mit 300.000 Quadratkilometer fast genauso groß wie die Bundesrepublik Deutschland, in dem aber nur 28.000 Menschen leben. Nicht mitgerechnet die Piloten der Nato-Luftwaffen, die bisher auf der Luftwaffenbasis Goose Bay trainierten, aber nach und nach die Übungsbasis aufgeben und die "Labradorians" in ihrer Einsamkeit zurücklassen.

Nun ist Labrador nicht nur eine Halbinsel und Teil der Atlantikprovinz Neufundland-Labrador, sondern auch ein Wahlkreis. Und zwar ein einziger, der wie alle Wahlkreise exakt einen Abgeordneten nach Ottawa entsendet. Allerdings ist der Wahlkreis Labrador bei weitem nicht der Riese unter den kanadischen Wahlbezirken. Auch das Arktisterritorium Nunavut mit zwei Millionen Quadratkilometer Fläche und etwa 20 Gemeinden ist ein Wahlkreis. Der Wahlkreis Western Arctic, der deckungsgleich mit den Nordwest-Territorien ist, bringt es auf 1,3 Millionen Quadratkilometer. In Nord-Quebec liegt ein Wahlkreis mit dem klangvollen Namen Abitibi-Baie James-Nunavik-Eeyou, der auf schlappe 840.000 Quadratkilometer kommt.

Aber kehren wir zurück nach Labrador, das sich dieser Tage eines ungewöhnlichen Interesses der Kanadier erfreut. Denn im Wahlkreis Labrador fanden am Dienstag Nachwahlen zum Bundesparlament statt. Sie wurden durch den Tod des liberalen Abgeordneten Lawrence O´Brien im Dezember notwendig. Normalerweise sind Nachwahlen in einem einzelnen Wahlkreis selbst kanadischen Zeitungen kaum eine Seite-1-Meldung wert. Diesmal aber füllt Labrador ganze Seiten. Denn dieser eine Sitz kann entscheiden, wie lange sich die liberale Minderheitsregierung in Ottawa an der Macht halten kann.

Am vergangenen Donnerstag hatten die Liberalen eine Vertrauensabstimmung nur deshalb gewonnen, weil nach einer Pattsituation die Stimme des liberalen Parlamentspräsidenten die Entscheidung zugunsten der Regierung und gegen die Opposition von Konservativen und Bloc Quebecois gab. Drei unabhängige Abgeordnete, die zwischen den Fronten pendeln, machen jede Abstimmung zu einem Vabanque-Spiel. Da kommt es auf jede Stimme an.

Drei Bundesminister der Liberalen flogen in der Endphase des Wahlkampfs nach Happy Valley (Glückliches Tal), wie einer der zwei Hauptorte Labradors heisst, um für ihren Kandidaten zu werben. Seit 1949, als sich Neufundland-Labrador dem kanadischen Staat als zehnte Provinz angeschlossen hatte, wählte der Wahlkreis Labrador mit der Ausnahme von 1968 stets liberal. Aber die Konservativen hofften, die von einem Finanz- und Korruptionsskandal angeschlagenen Liberalen diesmal zu schlagen und schickten Oppositionsführer Stephen Harper nach Labrador.

Am Abend konnte dann doch Premierminister Paul Martin aufatmen. Die Wähler, insgesamt waren es 11.500, stimmten mehrheitlich für den Liberalen Todd Russell. Damit bleibt Labrador rot - was aber eine andere Bedeutung hat als in Europa. Rot ist hier die Farbe der Liberalen.

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