Ladenschluss
Kommentar: Langer Samstag bleibt kurz

Mit Nachdruck hatten die Handelskonzerne in der Vergangenheit immer wieder gefordert, die Öffnungszeiten völlig freizugeben. Doch die Initialzündung für mehr Konsum droht nun zum Rohrkrepierer zu werden.

cs. Man mag es kaum noch hören, das Lamento deutscher Unternehmer über den Stillstand in dieser Republik. Ein Ruck müsse durch das Land gehen, Verkrustungen gehörten aufgebrochen. Mutige Schritte verlangt man - doch offenbar nur von der Politik. Geht es aber um die Verlängerung der Öffnungszeiten, stehen viele Einzelhändler nun wieder verzagt an der Seite der Gewerkschaften. Statt den Kunden mehr Einkaufskomfort zu bieten, soll dann doch lieber alles beim Alten bleiben. Die Umsätze würden ja doch nur zeitlich verlagert, ist aus dem Unternehmerlager zu hören, zusätzliche Arbeitszeiten könne niemand bezahlen.

Die Zurückhaltung verwundert. Mit Nachdruck hatten die Handelskonzerne in der Vergangenheit immer wieder gefordert, die Öffnungszeiten völlig freizugeben. Doch die Initialzündung für mehr Konsum droht nun zum Rohrkrepierer zu werden. Denn verständigen sich die Händler in Deutschlands Innenstädten nicht bald auf eine einheitliche Öffnung bis 20 Uhr an den Sonnabenden, werden sich die Citys weiter am frühen Nachmittag leeren.

Dabei täte ein wirklicher Kraftakt Not. Seit Jahren gehen die Umsätze des Einzelhandels nach unten. Dass daran allein Geizwelle und hohe Arbeitslosigkeit schuld sind, wie viele Einzelhändler behaupten, ist tatsächlich nur die halbe Wahrheit. Seit Anfang der 90er-Jahre hat der Anteil an den Konsumausgaben, die Deutschlands Verbraucher im Einzelhandel lassen, rapide abgenommen - von über 40 auf mittlerweile 29 Prozent.

Längere Öffnungszeiten am Samstag hätten diesen Trend womöglich gestoppt. Doch die Händler haben den Wettkampf gegen Touristikanbieter und Autokonzerne offenbar schon aufgegeben. Wer Geld hat, gibt es auch künftig lieber auf Mallorca aus oder gönnt seinem Neuwagen noch eine Klimaautomatik mit Sitzheizung.

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