Länder-Agrarminister mit Vorwürfen
"Ökolandbau machte schlimme Versäumnisse"

Nach Bekanntwerden des Futtermittelskandals im Ökolandbau haben die Landwirtschaftsminister aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen den ökologischen Anbauverbänden schwere Versäumnisse vorgeworfen.

Reuters HANNOVER. Obwohl es Kenntnisse über ein verbotenes Pflanzenschutzmittel in Geflügelfleisch gegeben habe, sei dies den Behörden monatelang verschwiegen worden. "Da sind schlimme Versäumnisse passiert", sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) am Montag. "Wenn die Agrarbehörden vor einem halben Jahr sofort informiert worden wären, hätte die weitere Verbreitung des verseuchten Futtermittels sofort gestoppt werden können", Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) sagte im ZDF, die Verantwortlichen hätten damit den gesamten Öko-Landbau diskreditiert, der eigentlich ein sehr gutes Eigenkontrollsystem habe.

Bartels forderte dagegen die Bundesregierung auf, die alternative Landwirtschaft nicht länger einseitig zu unterstützen. Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) müsse jetzt umdenken. Eine "Schwarz-Weiß-Politik" nach dem Motto "Öko-Landbau ist gut und sicher, und die konventionelle Landwirtschaft nicht", sei falsch.

Das niedersächsische Agrarministerium hatte am Freitag bekannt gegeben, dass möglicherweise rund 120 Öko-Betriebe in mehreren Bundesländer Futtermittel verwendet hätten, das möglicherweise mit dem verbotenen Pflanzenschutzmittel Nitrofen belastet gewesen sei. Das Mittel ist in Deutschland seit 1988 verboten und steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

Nach Angaben des Öko-Landbauverbandes Naturland, wurden bei den verbandseigenen Kontrollen bereits im Dezember bei einem großen Babynahrungshersteller in Geflügelfleisch Spuren von Nitrofen ermittelt. Die Behörden seien allerdings erst durch einen anonymen Anruf unterrichtet worden, sagte ein Ministeriumssprecher in Hannover.

Den bisherigen Erkenntnissen der Behörden zufolge hat ein Betrieb aus Brandenburg 100 Tonnen Öko-Weizen an einen niedersächsischen Futtermittelhersteller in Vechta geliefert. Woher der Öko-Weizen und die offenbar starke Belastung stamme, sei unklar. "Auch das Ministerium in Brandenburg tappt noch im Dunkeln", sagte Minister Bartels. Die ersten Messergebnisse der niedersächsischen Behörden aus dem Futtermittelbetrieb in Vechta und belieferten Betrieben seien in dieser Woche zu erwarten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%