Länder sehen Chancen für Stadtentwicklung
Bahn AG steckt Milliarden in die Bahnhöfe

Die Bahn macht Tempo bei der Bahnhofs-Sanierung. Rund 10 Milliarden DM will sie dafür in zehn Jahren investieren. Allerdings stehen 800 von 2 000 Stationen "noch auf dem Prüfstand".

FRANKFURT. Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung sollen die Bahnhöfe und ihre Stadtviertel aus der Schmuddelecke heraus kommen. Die Deutsche Bahn AG will ihr ursprünglich auf 15 bis 20 Jahre angelegtes Bahnhofs-Sanierungsprogramm jetzt bereits in zehn Jahren realisieren. Dafür soll aus der Konzernkasse jährlich etwa 1 Milliarde DM fließen, sagte Dieter Ullsperger, Vorstand Personenbahnhöfe, dem Handelsblatt.

Dieses Vorhaben startet parallel zur laufenden "Sauberkeitsoffensive" der Bahn. Mit ihr sollen flächendeckend an Bahnhöfen und Haltepunkten Schönheitsreparaturen ausgeführt sowie Graffiti- und Vandalismusschäden beseitigt werden. Neben Bahn-Mitteln von 170 Mill. DM fließen dafür auch Gelder von sechs Bundesländern. Gestern unterzeichnete Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) ein entsprechendes Abkommen.

Mit der Bahnhofs-Sanierung will Bahn-Chef Hartmut Mehdorn eine systematische Vermarktung der Stationsgebäude erreichen. Über die Vermietung und Verpachtung von Flächen für Handel, Dienstleistung und Gastronomie wird eine Kapitalrendite von zwölf Prozent angestrebt. Vorbild sind die restaurierten Hauptbahnhöfe von Leipzig, Köln und Hannover, in denen attraktive Einkaufsmeilen entstanden sind. In abgestuften Konzepten will die Bahn aber auch eine Vielzahl kleinerer Bahnhöfe standortgerecht ausbauen.

Hintergrund für den erwachten Eifer der Bahn: Immer mehr kommunale Stadtplaner sehen rings um die Gleise Entwicklungspotenziale. Bei den Bundesländern wächst die Bereitschaft, dafür Fördermittel zu geben. Spitzenreiter sind Nordrhein- Westfalen und Hessen: An Rhein und Ruhr sind 400 Mill. DM für die Sanierung von 200 Stationen, in Hessen sogar 440 Mill. DM für 150 Bahnhöfe vorgesehen. Verkehrsdezernent Folkert Kiepe vom Deutschen Städtetag lobt vor allem NRW: "Das Land ist eingespannt in die Stadterneuerungspolitik und gibt Mittel aus der Städtebauförderung. Das ist ein Modell, das sich alle Länder ansehen sollten."

Aber auch Flächenstaaten wie Niedersachsen sind mit von der Partie. Diese Woche stellte Hannovers Verkehrsministerin Susanne Knorre (SPD) 75 Mill. DM zur Verfügung: "Rund 80 Prozent der 360 niedersächsischen Stationen sind dringend erneuerungsbedürftig", erklärte Knorre. Allerdings hat die Bahn von sich aus in Niedersachsen seit 1996 bereits über 800 Mill. DM in die Bahnhofs-Sanierung gesteckt - bis hinunter in kleine Heide-Stationen, betont Ullsperger.

"Wir kommen immer intensiver mit Kommunen und Ländern zusammen", beobachtet der Bahn-Manager. "In den vergangenen zwei Jahren ist ein neues Bewusstsein entstanden, das die Bahnhöfe als Tor zu den Kommunen und als Kern für innerstädtische Entwicklungen sieht."

Für das Investitionsprogramm kommen nach Berechnungen der Bahn 2 000 Bahnhofsgebäude in Frage. 800 davon stünden aber "noch auf dem Prüfstand". Hier sei noch nicht ermittelt, ob Reisendenfrequenz und Umfeld eine kommerzielle Nutzung erlaubten. Unabhängig von der Ausbau-Entscheidung blieben alle Stationen aber als Zughaltepunkte bestehen.

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