Länderfonds
Fonds: In regionale Spezialitäten investieren

An den großen europäischen Börsen gibt es immer noch nationale Besonderheiten, die in den Branchenfonds in Euroland verwässert werden. Wer Paris oder Mailand pur sucht, muss Länderfonds kaufen.

DÜSSELDORF. Feinschmecker wissen die nationalen Spezialitäten seit jeher zu schätzen: Parma-Schinken aus Italien, Champagner und Trüffel aus Frankreich und die Pralinen aus Belgien - auch in Zeiten der Europhorie und Globalisierung behalten die einzelnen Länder ihre spezifischen Stärken und Schwächen. Ähnlich verhält es sich mit den Länderfonds, die als sinnvolle Beimischung für ein Depot gelten.

"Bei einigen Länderfonds kann man flexibel von einem Value- (an der Bewertung orientierten) auf einen Growth-Stil (am Wachstum orientierten) und umgekehrt wechseln, was bei einem Branchenfonds nicht möglich ist", sagt Dirk Ropers, Leiter des European Large Cap Teams bei der Anlagegesellschaft DIT. Auf der anderen Seite hat eine Länderspezialisierung auch Nachteile, weil die Risiken nicht über mehrere Börsen gestreut sind. Als Anleger muss man zumindest in groben Zügen politische Entwicklungen wie Wahlausgänge oder revidierte Wachstumsprognosen im Blick behalten.

Die Börsen auf der iberischen Halbinsel beispielsweise hängen natürlich auch von den anderen europäischen Märkten ab, jedoch ist hier entscheidend, wie es um Lateinamerika bestellt ist. Die Wirtschaftskrise in Argentinien hat die internen Probleme in den Hintergrund gedrängt, was auch verständlich ist, erzielt doch etwa das Schwergewicht Telefónica mehr als die Hälfte seines Gewinns in den Ländern Süd- und Mittelamerikas. In dieser Region ebenfalls stark engagiert sind die meisten spanischen Großbanken sowie der Energiekonzern Repsol. Fondsmanager haben ihre Gewichtung bei Repsol in den vergangenen Monaten zurückgenommen, weil eine nicht mehr undenkbare Verstaatlichung der Vermögen in Argentinien verheerend wäre. Als guter Wert zum Ausweichen gilt der Tankstellen- und Raffineriebetreiber Cepsa.

Lateinamerika beeinflusst Madrid

Die Börsen in Madrid und Lissabon bleiben vor allem dann attraktiv, wenn man davon ausgeht, dass die schlechten Nachrichten aus Lateinamerika weitgehend vorbei sind. "Bei einer dauerhaften Stabilisierung in Argentinien sollte Spaniens Aktienmarkt gegenüber dem Euroland-Durchschnitt leicht outperformen", meint Martin Schneider, Fondsmanager des DWS Iberia. Auf der Haben-Seite stehe das weiter hohe Wirtschaftswachstum, außerdem hätten die Regierungen in Madrid die EU-Subventionen oft in Infrastrukturprojekte investiert und nicht in Sozialleistungen, was sich in den vergangenen Jahren ausgezahlt habe. Andererseits mangele es dem spanischen Kurszettel an Technologieaktien, was momentan zwar eher ein Vorteil sei, langfristig aber einen Malus bedeuten könnte.

Zu den aussichtsreichen Titeln in Madrid zählt Schneider den Bau- und Dienstleistungskonzern Grupo Ferrovial, der unter anderem als Betreiber von Autobahnen im In- und Ausland auftritt, die Bankengruppe Banco Popular Espanol ("effizient im breiten Retail-Banking, kein Engagement in Lateinamerika") und das Textilunternehmen Inditex (Marke Zara), das vergleichbar mit H&M sei, in Galizien jedoch flexibler produzieren lasse als die Schweden in Asien. Jedoch sei der Wert mit einem KGV von rund 35 schon recht hoch bewertet. Zu den wenigen Tech-Werten mit Kursphantasie zähle Indra Sistemas. Das Unternehmen habe sich mit maßgeschneiderten Softwarelösungen - etwa für die Rüstungselektronik - im Abschwung gut gehalten.

Frankreich: Performance spricht für sich

Wenn es um die Vorteile von Länderfonds geht, verweisen die Anlageexperten auch gerne auf das Nachbarland Frankreich. "Die Performance spricht für sich", sagt DIT-Manager Ropers unter Verweis auf die Wertentwicklung des DIT-Fonds Frankreich, der auf Fünfjahres-Sicht rund 106 Prozent zulegte und seit Jahresbeginn 2002 bis Ende März mit 5,6 Prozent im Plus lag. Der hohe Restrukturierungsbedarf der französischen Wirtschaft habe sich für den Anleger in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre deutlich ausgezahlt, wenngleich manche "Story" mittlerweile ausgelaufen sei - etwa beim Medienwert Vivendi Universal. Trotzdem habe die Pariser Börse einige Besonderheiten aufzuweisen, die beispielsweise auf dem deutschen Kurszettel fehlten. So sei der Ölkonzern Total-Fina mit den steigenden Ölpreisen gut gelaufen, während Deutschland keinen Ölproduzenten vorweisen könne. Auch die französischen Banken hätten einen Gutteil zur Performance beigesteuert, BNP Paribas sei heute von der Marktkapitalisierung her höher bewertet als die Deutsche Bank. "Der Bankenmarkt ist in Frankreich viel weniger fragmentiert, höhere Kundenzahlen im Retail-Geschäft lassen bessere Margen zu", erläutert Ropers.

Anders als in Spanien oder Italien kann man in Frankreich auch Technologiewerte stärker berücksichtigen, die im Zuge der geplatzten High-Tech-Blase natürlich stark unter Druck gekommen sind. Der Netzausrüster type="organisation" value="FR0000130007">Alcatel sei im Frankreich-Fonds jetzt wieder leicht übergewichtet, während France Télécom wegen der Schuldenproblematik untergewichtet bleibe.

Spannend bleibt es in diesem Jahr in der Politik. Nach dem überwältigenden Sieg von Jacques Chirac gegen den Rechtsnationalisten Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen könnte die Parlamentswahl im Juni der Börse neue Impulse verschaffen. "Was die strukturellen Probleme anbelangt, ist die Situation in Frankreich durchaus mit der in Deutschland vergleichbar. Sollte es in Frankreich zu einer klaren konservativen Mehrheit kommen, könnte dies einen Reformschub begründen", meint der DIT-Experte. Insgesamt traut er der französischen Börse bis zum Jahreswechsel ein Plus von mindestens zehn bis 15 Prozent zu: "Das sollte schon machbar sein."

Mailand: Verlässliche Prognosen

Etwas weniger - nämlich einen Kurszuwachs von fünf bis zehn Prozent beim Mibtel-Index - billigt man dem italienischen Markt zu. Im Vergleich zum Euroland-Durchschnitt gelte die Mailänder Börse zwar als etwas teuer, dafür sei die Gewinnentwicklung aber verlässlicher prognostizierbar, sagt Reinhard Pfingsten, Europa-Spezialist im Fondsmanagement der Deka Investment. Interessant sei in Italien der Bankensektor, der sich stark auf das Privatkundengeschäft konzentriere und sich damit von der weltweit dominierenden Orientierung am Investmentbanking unterscheide.

"Der Sparkassensektor ist in Italien weniger ausgeprägt, das erlaubt Banken wie Unicredito oder San Paolo IMI eine breitere Kundenbasis und eine insgesamt gesündere Struktur", sagt Pfingsten. Eine Besonderheit seien in Italien auch die börsennotierten Hersteller von Luxusgütern wie Saeco (Espressomaschinen), Bulgari (Schmuck/Uhren) und Benetton (Bekleidung). Die Titel hätten zwar nach dem 11. September stark gelitten, sich dann aber überproportional erholt. Aktuell mache das Luxusgütersegment rund zehn Prozent im Deka Italien aus.

Fazit: Mit Länderfonds als Depotbeimischung lassen sich eigene Akzente setzen.

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