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Länderpreise signalisieren höhere deutsche Inflation

Erste Preisdaten aus den Bundesländern deuten auf einen Inflationsanstieg in Deutschland im April hin und bestätigen Analysten zufolge die EZB darin, die Zinsen zunächst nicht zu senken.

Reuters FRANKFURT. In Baden-Württemberg kletterten die Preise nach Angaben des Landes-Statistikamts zum Vorjahr um 2,9 (März: 2,6) % und damit um die höchste Rate seit gut sieben Jahren. In Bayern betrug die Jahresteuerung 2,8 (2,4) % und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 1993. Brandenburgs Preise stiegen zum Vorjahr um 3,3 (2,8) %. Im Tagesverlauf und am Mittwoch werden noch die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Hessen erwartet. Auf Basis dieser sechs Bundesländer errechnet das Statistische Bundesamt die vorläufige Inflationsrate für Deutschland. Volkswirte, die vergangene Woche eine gesamtdeutschen Teuerung von 2,7 % prognostiziert hatten, rechnen nun mit einer höheren Inflation.

Auch im Monatsvergleich zogen die Preise im April in den ersten deutschen Bundesländern, die ihre Daten am Dienstag veröffentlicht haben, deutlich an. In Baden-Württemberg betrug der Anstieg zum März 0,3 (0,1) %. In Bayern und in Brandenburg kletterten die Preise zum Vormonat um 0,4 nach plus 0,1 % beziehungsweise unveränderten Preisen im März. Besonders Energieprodukte und Nahrungsmittel haben sich den Angaben zufolge im April stark verteuert. "Bei den Nahrungsmitteln spielen BSE und MKS eine Rolle", sagte Jörg Lüschow, Volkswirt bei der WestLB. Der starke Anstieg der Energiepreise sei vor allem auf die Verteurung der Benzinpreise kurz vor Ostern zurückzuführen.

Die Daten deuten auf eine unerwartet hohe Inflation in Gesamtdeutschland hin. Bei einer Umfrage aus der vergangenen Woche hatten die befragten Volkwirte im Durchschnitt noch mit einer Jahresteuerung in Deutschland von 2,7 % nach 2,5 % im März gerechnet. Im Monatsvergleich prognostizierten sie einen Preisanstieg von 0,2 % nach plus 0,1 % im Vormonat. "Die Grundaussage (der Länder-Preisdaten) ist, dass die Inflation in Deutschland steigt und im Mai bei 3 % liegen könnte", sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein nach Veröffentlichung der neuen Daten. Dies sei kein Umfeld für eine baldige Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Guntermann rechnet daher frühestens im Juni oder Juli mit niedrigeren Zinsen in der Euro-Zone.

Nach Einschätzung des Präsidenten der Bayerischen Landeszentralbank, Franz-Christoph Zeitler, zeigen die Zahlen, dass in der Euro-Zone von der Preisseite her trotz der jüngsten Verlangsamung des Geldmengenwachstums keine Entwarnung gegeben werden kann. "Die ersten Daten zur Inflationsrate im April sind als Zeichen anhaltenden Preisdrucks zu werten", sagte Zeitler. Die Preiseffekte bei Energie- und Nahrungsmitteln seien kein auf Deutschland beschränktes Phänomen, sondern in der gesamten Euro-Zone wirksam.

Auch nach Lüschows Ansicht käme die EZB bei einer Zinssenkung angesichts der Zahlen und des am Vortag veröffentlichten unerwartet starken italienischen Verbraucherpreisanstiegs in Argumentationsschwierigkeiten. Die Konsumentenpreise in Italien stiegen im April nach vorläufigen Berechnungen im Jahresvergleich um 3,1 %. Experten hatten nur ein Plus von 2,9 % erwartet. In der Euro-Zone betrug die Inflationsrate im März wie im Februar 2,6 % und lag damit weiter deutlich über der Marke von 2,0 %, bis zu der nach EZB-Definition Preisstabilität gewährleistet ist.

"So schnell werden wir vom derzeitigen Inflationsniveau in der Euro-Zone von rund 2,6 % nicht herunterkommen", prognostizierte Lüschow. Auch Jürgen Pfister, Volkswirt bei der Commerzbank, erwartet, dass die Teuerungsrate in Deutschland und in der Euro-Zone in diesem Jahr im Durchschnitt deutlich über zwei % liegen wird. Trotz schwindender Chancen für eine baldige Zinssenkung rechne er jedoch weiter im Mai mit einer geldpolitischen Lockerung um 25 Basispunkte.

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