Länger als geplant im Amt
Berlusconi gibt Außenministerium an Frattini ab

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Donnerstag das Außenministerium an seinen Parteikollegen Franco Frattini abgegeben. Der 66-jährige Regierungschef hatte zehn Monate lang das Ressort selbst geführt, nachdem der unabhängige Außenminister Renato Ruggiero am 5. Januar nach einem Streit um die Europa-Politik zurückgetreten war.

HB/dpa ROM. Dies war die bisher schwerste Krise nach der Regierungsbildung im Juni 2001. Frattini sollte am Donnerstagabend von Staatschef Carlo Azeglio Ciampi vereidigt werden.

Berlusconi lobte seine eigenen Leistungen als Außenminister. "Ich bin mit meiner Arbeit sehr zufrieden", sagte er unmittelbar vor Frattinis Ernennung. Frattini stehe eine heikle Arbeit bevor, da Italien im zweiten Halbjahr 2003 die EU-Präsidentschaft übernehmen werde.

In der Vergangenheit hatte Berlusconi mehrmals klar gemacht, dass er als Regierungschef auch die Außenpolitik des Landes bestimme. Dies hatte letztlich auch zum Bruch mit Ruggiero geführt, der für eine Europa-freundlichere Politik Italiens eingetreten war. Berlusconi orientiert sich stärker an der US-Politik als seine Vorgänger. Frattini hat sich bisher zu seiner neuen Aufgabe nicht geäußert.

Bei der Übernahme des Postens hatte Berlusconi angekündigt, dieses Amt nach höchstens sechs Monaten wieder abzugeben. Er werde das Außenamt in dieser Zeit radikal reformieren. Die angepeilten Reformen sind bisher jedoch noch nicht umgesetzt worden. Die Ernennung eines Nachfolgers zog sich immer mehr hinaus, vor allem wegen Spannungen innerhalb seiner Mitte-Rechts-Koalition.

Zunächst hatte der stellvertretende Ministerpräsident und Chef der rechtsgerichteten Nationalallianz, Gianfranco Fini, Ambitionen für das Amt gezeigt. Später forderten die Koalitionspartner eine größere Regierungsumbildung im Zuge der Neubesetzung des Außenamtes. Jetzt hat sich Berlusconi nach Ansicht von Beobachtern durchgesetzt. Zudem übernimmt er von Frattini die Zuständigkeit für die Geheimdienste.

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