Längere Übergangsfristen zum Nebenkostenerlass
Geschlossene Fonds behalten Steuervorteile

Die Übergangsregelung für die Anwendung des so genannten Nebenkostenerlasses soll verlängert werden. Das würde den Zeichnern geschlossener Fonds Steuervorteile sichern und das schleppende Geschäft der Anbieter ankurbeln.

rrl DÜSSELDORF. Auf diese Verlängerung sollen sich die Steuerreferenten des Bundes und der Länder Ende der vergangenen Woche geeinigt haben; bisher sind die Fristen in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 24.10.01 (Az.: IV C 3 - S 2253a - 15/01) geregelt.

Im Kern sagt der Nebenkostenerlass aus, dass von Fondszeichnern zu zahlenden Nebenkosten, zum Beispiel die Vertriebsprovisionen, nicht wie früher zu den sofort abzugsfähigen Werbungskosten gehören. Die anfänglichen Verluste - bisher eines der schlagenden Verkaufsargumente der Fondsanbieter - fallen dadurch niedriger aus.

Nach Angaben des Public-Relations-Beraters Rainer Zitelmann soll die neue Übergangsregelung, die die Wirkung des Erlasses verzögert, für Fonds gelten, mit deren Vertrieb vor dem 1.9.02 begonnen wurde, und denen die Anleger spätestens bis Ende 2003 beigetreten sind. "Leider soll dieser Beschluss wohl erst im November offiziell veröffentlicht werden", informiert Zitelmann, der über gute Kontakte zur Finanzverwaltung verfügt, seine Kunden. Eine BMF-Sprecherin dementierte allerdings: "Es ist noch kein Ergebnis erzielt worden. Die Beratungen werden fortgesetzt."

Die frühere Übergangsregelung aus dem Vorjahr sieht als spätesten Vertriebsbeginn den 31.12.01 und als letztes Beitrittsdatum den 31.12.02 vor. Sie hatte bei den Anbietern zu hektischen Reaktionen geführt. So bestellten Emittenten von Schiffsbeteiligungen offensichtlich über den Bedarf hinaus neue Schiffe. Filmfonds-Initiatoren verfielen sogar auf den Trick, noch 2001 kleine Tranchen bei ausgesuchten Privatinvestoren zu platzieren, um den Vertriebsbeginn gegenüber der Finanzverwaltung glaubhaft zu machen - Prospekte für das breite Publikum wurden erst danach im Frühjar 2002 vorgelegt.

Filmfonds wären vom Auslaufen der Übergangsregelung besonders betroffen, denn der nun beratene Erlassentwurf stellt die Fondszeichner so, als ob sie Erwerber von Filmrechten wären statt wie bisher Filmhersteller. Der Unterschied: Ist der Anleger Hersteller, kann er die Herstellungskosten sofort zu 100 Prozent als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Als Erwerber von Filmrechten hat er nur noch die Möglichkeit, diese Rechte mit zwei Prozent jährlich abzuschreiben.

Michael Oehme, Vorstand des Verbands Deutscher Medienfonds e.V. stellt fest: "Die Frage ?Hersteller oder Erwerber?? ist damit noch nicht vom Tisch." Doch ohne eine längere Übergangsregelung würden viele Anbieter in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und viele Angebote gerade noch mit der Mindestplatzierung geschlossen. Dann wird das Verhältnis von Nebenkosten zu Filminvestitionen schlechter und gleichzeitig das Risiko größer, weil die Anlegergelder auf weniger Filme als geplant verteilt werden.

Für Anleger, die einen zwischen Jahresanfang und Ende August aufgelegten Fonds zeichnen, kann die Neuregelung sogar höhere Anfangsverluste bringen. So stiegen beim HGA-Fonds "Campus-Kronberg" die Anfangsverluste von 27 auf 34 %, weil Nebenkosten zu Werbungskosten würden, sagt HGA Capital-Chefin Angelika Kunath.

Quelle: Handelsblatt

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