Längerer Konflikt hätte immense Konsequenzen
Ifo rechnet mit geringem Einfluss auf Wachstum

Das Ifo-Institut geht im Falle eines kurzen Krieges weiterhin nicht von einer großen Beeinträchtigung des Wirtschaftswachstums in Deutschland aus.

Reuters BERLIN. Unter der Annahme, dass die Militäraktion kurz sein wird und nicht zu einem weiteren Anstieg der Ölpreise oder zu einer politischen Destabilisierung des Nahen Ostens führt, erwarte das Institut nach wie vor ein deutsches Wachstum von 0,9 % in diesem Jahr, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn bei einer Veranstaltung des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag in Berlin. Damit wiederholte Sinn nach Beginn des Irak-Krieges seine frühere Einschätzung. Vor allem mit Blick auf Deutschland forderte Sinn weitere deutliche Leitzinssenkungen von der Europäischen Zentralbank (EZB). "Die EZB könnte die Zinsen halbieren, um beim US-Niveau zu landen", sagte Sinn. Dies solle die Zentralbank auch tun.

Die konjunkturellen Risiken seien erheblich, falls die Ölpreise in Folge eines sich hinziehenden Krieges steigen sollten, sagte Sinn. Auch könnten dann die Aktienkurse wieder sinken und damit die Konjunktur belasten. Schließlich könnte ein längerer Krieg mit vielen Opfern auf Seiten der Amerikaner in den USA zu einer Kampagne gegen Produkte aus Ländern wie Deutschland führen, die einen Militäreinsatz im Irak nicht unterstützen. "Wenn dieses pessimistische Szenario zur Realität wird, wäre nahezu ein Null-Wachstum in Deutschland die Folge", sagte Sinn. Das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) halte dieses Szenario jedoch nicht für wahrscheinlich.

Das Ifo hatte vor rund vier Wochen seine Wachstumsprognose für Deutschland auch wegen eines drohenden Irak-Krieges auf 0,9 von 1,1 % gesenkt. Damit ist das Ifo immer noch etwas optimistischer als die anderen Institute. Sinn begründete dies damit, dass unter anderem der Ifo-Index mit seinen jüngsten Anstiegen eine positive Entwicklung signalisiere. Anders als vor einem Jahr beruhe der Zuwachs auf einer zuversichtlicheren Bewertung der gegenwärtigen Lage. Sollte sich die Lagekomponente des Index auch im März verbessern, wäre dies ein Zeichen für eine konjunkturelle Wende. "0,9 % Wachstum ist aber nicht viel, eher nahe nichts", schränkte der Ifo-Chef ein. Das Institut wird seinen Index für März kommenden Donnerstag veröffentlichen.

Sinn betonte die Bedeutung von strukturellen Reformen für mehr Wachstum in Deutschland. Die Ankündigungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gingen in die richtige Richtung, allerdings nicht weit genug. Der Ifo-Chef geht davon aus, dass das deutsche Haushaltsdefizit auch 2003 über der europäischen Obergrenze von drei Prozent liegen wird. Allein ausgehend von der bisherigen Regierungsprognose von etwa 2,8 % werde nach dem von Bundeskanzler Schröder angekündigten Investitionsprogramm das Defizit über drei Prozent steigen.

Besonders Deutschland könnte nach Einschätzung Sinns niedrigere Leitzinsen gebrauchen. Angesichts der unterschiedlichen Entwicklung der Länder der Euro-Zone sei aber ungewiss, ob die EZB die Zinsen weiter senken werde. Der Leiter der Volkswirtschaftsabteilung der Investmentbank Goldman Sachs, Jim O'Neill, verwies auf der selben Veranstaltung darauf, dass weltweit die Geldpolitik niemals so wenig wirksam gewesen sei wie derzeit. Die hohen Verluste an den Aktienmärkten hätten die positiven Effekte der Zinssenkungen ausgeglichen, sagte O'Neill.

Unabhängig von der weiteren Entwicklung im Irak rechnet Sinn mit einer Aufwertung des Euro. "Die Fundamentaldaten weisen auf einen stärkeren Euro hin", sagte Sinn. Zum einen laste das hohe US-Leistungsbilanzdefizit auf dem Dollar, zum anderen werde die Nachfrage nach Euro vor allem in Osteuropa weiter steigen.

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