Längerfristigen Wachstumsziele deutlich unter Plan
Nokia senkt erneut Umsatzprognose

Der weltgrößte Handyhersteller Nokia hält trotz erneut reduzierter Umsatzerwartungen an seinem Gewinnziel für das Gesamtjahr 2002 fest. Angesichts anhaltender Nachfrageschwäche geht der finnische Konzern für das zweite Halbjahr von einem Umsatzwachstum von nur noch bis zu zehn Prozent aus statt einem bislang prognostizierten Plus von 15 %.

rtr HELSINKI. Damit senkte Nokia am Donnerstag zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten Umsatzerwartungen.

Gleichwohl strebt der Konzern für das Gesamtjahr nach wie vor einen Pro-Forma-Gewinn je Aktie (verwässert) von 0,83 ? an und beruhigte damit Börsianern zufolge nervöse Anleger. In Helsinki legten Nokia-Aktien im Vormittagshandel zwischenzeitlich 1,2 % auf 13,50 ? zu, drehten gegen Mittag aber wieder ins Minus. Die bekräftigte Gewinnprognose der Finnen führte Händlern zufolge ferner mit dazu, dass die europäischen Aktienwerte insgesamt ihre Kursverluste vorübergehend verringerten.

"Die Nettoumsätze fallen, aber alles andere scheint in Ordnung zu sein", kommentierte ein Aktienhändler den Nokia-Ausblick. Analysten hätten damit gerechnet, dass der Konzern auch seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf 0,75 bis 0,77 ? je Aktie senken würde, sagten Marktteilnehmer. Branchenexperten warfen allerdings die Frage auf, wie Nokia das Gewinnziel erfüllen wolle angesichts der gesenkten Umsatzerwartungen.

Märkte sind gesättigt

Die längerfristigen Wachstumsziele des Unternehmens liegen inzwischen deutlich unter den noch vor wenigen Jahren anvisierten 25 bis 35 %. Ab 2003 werde nun ein jährliches Gewinn- und Umsatzplus von mehr als zehn Prozent angestrebt, teilte Nokia mit. Diese Ziele lägen in Einklang mit den Markterwartungen oder knapp darüber, sagte Konzernchef Jorma Ollila vor Analysten. Zugleich wies Ollila auf die "weltweit sehr schwierige wirtschaftliche Situation" hin. Weil viele Märkte inzwischen gesättigt sind, schrumpft die private Nachfrage nach Mobiltelefonen. Überdies halten sich die finanziell angeschlagenen Telekombetreiber angesichts der globalen Wirtschaftsflaute mit Investitionen zurück.

Nokia hatte schrittweise Umsatzerwartungen zurückgenommen. Im April hatte das Unternehmen, das weltweit mehr als jedes dritte Handy herstellt, für das Gesamtjahr nur noch einen Anstieg des Konzernumsatzes von vier bis neun Prozent statt zuvor 15 % in Aussicht gestellt. Vor neun Tagen hatten die Finnen dann ihre Umsatzprognose für das laufende zweite Quartal reduziert.

Keine Großakquisition geplant

Größere Übernahmen plant Nokia nach den Worten von Konzernchef Ollila nicht. Er bezweifle, dass es bislang eine "wirklich erfolgreiche" Fusion zwischen zwei Großunternehmen im Hochtechnologie-Bereich gegeben habe, sagte er. Zukäufe der mittleren Größenordnung blieben hingegen Bestandteil der Firmenstrategie.

Den weltweiten Mobiltelefonabsatz im laufenden Jahr sehen die Finnen im Einklang mit anderen Herstellern wie Siemens weiterhin bei 400 bis 420 Mill. Einheiten nach rund 380 Mill. Stück im Vorjahr. Nokia strebt unverändert einen weltweiten Marktanteil von 40 % an. Erhebungen der Forschungsfirma Gartner Dataquest zufolge hatte Nokia im ersten Quartal einen Anteil von 35 % am Weltmarkt. Ollila sagte: "Ich denke, wir haben jetzt eine bessere Vorstellung davon, wie wir unser eigenes Geschäft voran bringen können und wo der Wert liegt."

Seine Erwartungen für das zweite Halbjahr stützt der Konzern vor allem auf 30 neue Handymodelle. Außerdem will Nokia nach eigenen Angaben den US-Konkurrenten Motorola im chinesischen Handy-Markt von Platz eins verdrängen und Marktführer bei Mobiltelefonen mit US-Übertragungsstandard werden.

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