Lässt sich der "Return auf das Lizenz-Investment" positiv beeinflussen?
Das UMTS - Lizenzvergabeverfahren und seine Konsequenzen

Schlägt man in diesen Tagen die Wirtschaftsseiten der deutschen Zeitungen auf, kann man die Bemühungen der UMTS-Lizenzgewinner nicht übersehen, Bundesregierung und Regulierer zu Zugeständnissen bezüglich der Lizenzauflagen zu bewegen. Die UMTS-Betreiber rücken immer mehr zusammen, und dies ist schließlich nicht verwunderlich, versuchen sie doch, ihren "Return auf das Lizenz-Investment" nachträglich positiv zu beeinflussen.

Was ist jedoch die Substanz dieses Anliegens? Geht es den deutschen UMTS-Lizenznehmern tatsächlich so schlecht, wie sie uns glauben machen wollen? Ein Blick auf die europäische UMTS-Landschaft wird uns helfen, die Situation genauer zu verstehen.

Seit dem Start der UMTS-Lizenzvergabe in Europa mit Finnland bereits im Jahr 1999 wurden insgesamt 58 UMTS-Lizenzen vergeben. Die Berechtigung, im UMTS-Standard zu funken, kostete die Unternehmen 120 Mrd. Euro, das entspricht 384 Euro pro Kopf der Gesamtbevölkerung. In einigen Ländern, so z.B. Frankreich, steht die Vergabe noch aus. Sehr unterschiedlich war das Verfahren, das von staatlicher Seite angewendet wurde. In den bevölkerungsreichen Staaten Deutschland und Großbritannien wurden die Lizenzen versteigert, während in anderen Staaten - und hier sind vor allem die skandinavischen hervorzuheben - die Lizenzen in einem sogenannten Schönheitswettbewerb vergeben worden sind. Die Erlöse gestalteten sich vollkommen unterschiedlich. Bei den Auktionen musste zum Gewinn einer Lizenz durchschnittlich ein Betrag von 438 Euro pro Einwohner ausgegeben werden, beim Schönheitswettbewerb lediglich 19 Euro pro Kopf, lässt man Spanien außen vor, die nach der Lizenzvergabe eine zusätzliche Steuer erhoben haben. Interessanterweise haben die Auktionen nach der britischen und der deutschen mit 164 Euro pro Kopf für eine UMTS-Lizenz deutlich niedriger abgeschlossen.

Die großen europäischen Mobilfunkunternehmen wie Vodafone, Deutsche Telekom, British Telecom, France Télécom und Telefónica haben sich schlussendlich entschieden, in den wichtigsten Mobilfunkmärkten, darunter Deutschland, mit UMTS vertreten zu sein, und haben alle eine Bevölkerung von über 150 Millionen Einwohner in Westeuorpa erschlossen. Dafür mussten sie wegen der teuren Auktionsverfahren insgesamt über 150 Mrd. Euro ausgeben. Andere kleinere Mobilfunkunternehmen haben sich gemäß ihren Möglichkeiten entschlossen, nur in begrenzten regionalen Märkten aktiv zu sein. Hier sind vor allem die skandinavischen Unternehmen wie Tele Danmark, Telia, Telenor und Tele 2 zu nennen. Auch das finnische Unternehmen Sonera hat bereits angedeutet, dass es sich nach dem deutschen Abenteuer in Kooperation mit Telefónica doch lieber auf dem Heimatmarkt konzentrieren möchte, angesichts des hohen Schuldenstandes nicht verwunderlich. Angesichts dieser gewaltigen Summen erscheint das Klagen der deutschen UMTS-Lizenznehmer verständlich.

Bei genauerem Blick ergeben sich sehr unterschiedliche Konsequenzen für die großen Mobilfunkunternehmen im Vergleich zu den kleinen. Die hohen Investitionen der Großen verlangen, dass sie den Großteil des zukünftigen M-Commerce-Markets und mobilen Datennetzes selbst erwirtschaften. Dies kann nur gelingen, wenn sie die gesamte Wertschöpfungskette der mobilen (Daten-) Kommunikation selbst abdecken und einen integrierten Betrieb über multinationale "Multi-Access"-Portale aufbauen.

Die kleineren Mobilfunkunternehmen, die sich auf regional begrenzte Märkte konzentrieren, werden bereitwilliger ihre Netze für Applikationsentwickler und Diensteanbieter öffnen, um den Markt mit innovativen Dienstleistungen schnell zu erschließen und die Nutzung neuer UMTS-Dienste zu fördern, und damit eine Umsatzteilung akzeptieren. Daran erkennt man, dass das UMTS-Auktionsverfahren nicht nur für die Lizenzgewinner eine hohe Bürde darstellt, sondern für die gesamte Telekommunikationsindustrie. Folglich werden wir in Europa in den nächsten Jahren einen gespaltenen mobilen Kommunikationsmarkt sehen. In Ländern mit niedrigen Lizenzgebühren werden die Mobilfunkunternehmen eine höhere Vielfalt an innovativen Diensten in den Markt bringen, während in den teuren UMTS-Ländern, darunter Deutschland, für die UMTS-Lizenznehmer weniger finanzieller Spielraum für Innovation besteht. Bedenkt man, wie stark die Telekommunikations-industrie mittlerweile eine Volkswirtschaft beeinflussen kann, fragt man sich, ob der deutsche Finanzminister trotz seiner nahezu DM 100 Mrd. Lizenzeinnahmen klug beraten war.

Schreiben Sie dem Autor: Friedrich_Roman@bah.com

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