Lage der Demokraten nach Pennsylvania
Warum Obama nicht an seine Waffel kommt

Hillary Clinton hat Barack Obama in Pennsylvania besiegt. Damit geht das Leiden der Demokraten weiter. Nach dieser Vorwahl ist klar, dass es zu einer Kampfabstimmung auf dem Parteitag, zu einer echten Zerreisprobe kommen wird. Am Ende könnte weder ein Schwarzer noch eine Frau ins Weiße Haus ziehen.

DÜSSELDORF. Barack Obama hat Pennsylvania deutlich verloren, aber die proportionale Verteilung der entscheidenden Delegiertenstimmen sorgt dafür, dass Hillary Clinton in der Endabrechnung kaum profitiert. Nach wie vor hat der Afroamerikaner doppelt so viele Staaten gewonnen, hat mehr Wählerstimmen und gut 120 Delegiertenmandate mehr als Clinton gesammelt.

Doch in Pennsylvania hat Clinton bewiesen, dass sie die großen, von eher konservativen weißen Wählern dominierten Bundesstaaten gewinnen kann – Obama nicht. Das spielt vor allem bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl im November eine Rolle: Wer die so genannten Swingstates wie Ohio und eben Pennsylvania nicht den Republikanern entreißen kann, der hat keine Chance auf die Präsidentschaft.

Das ist Clintons Argument, dass sie laut hinausposaunen wird: Wir wollen Veränderung nicht nur wollen, sondern herbeiführen. Dafür müssen die Superdelegierten für meine Nominierung sorgen. Tatsächlich werden die Vertreter des Parteiestablishments am Ende auf dem Parteitag Ende August den Ausschlag geben und sich zur Not auch über das Votum der Wähler hinwegsetzen.

Genau das ist der Grund, warum Obama seine so hart erkämpfte Vorreiterstellung nicht in die Nominierung ummünzen kann. „Warum lasst ihr mich nicht in Ruhe meine Waffel essen“; fragte er Reporter genervt beim Frühstück. Was er eigentlich meinte, formuliert die linke Kolumnistin Maureen Dowd treffend: Warum macht ihr mich nicht endlich einfach zum Kandidaten und zum Präsidenten?

Die Antwort ist nun klar: Weil große Teile der demokratischen Partei nicht davon überzeugt sind, dass der jugendliche, charmante aber inhaltlich noch so wenig greifbare und formal unerfahrene Senator tatsächlich gegen die brutale Kampfmaschine der Republikaner bestehen kann – und ob er überhaupt ihre eigenen Werte vertritt.

Denn die Demokraten sind zwar im US-Jargon eine liberale (sprich: linke) Partei, aber neben dem wirklich liberalen, progressiven Flügel gibt es eben auch den sehr bodenständigen, konservativen Bauch der Partei. Gerade diesen Wählern, der weißen Unterschicht, den Kirchgängern und Waffenbesitzern, war Obama zuletzt kräftig auf die Füße getreten. Diese Demokraten haben tatsächlich Angst – Angst vor einem weiteren sozialen Abstieg. Und bei ihnen kommt Clinton mit ihren traditionellen sozialkämpferischen Parolen besser an, selbst wenn der größte Teil der Wähler an ihrer Ehrlichkeit zweifelt.

Damit ist klar, dass die Vorwahl der Demokraten auch beim letzten Termin am 3. Juni nicht entschieden wird. Die Vorwahl in Pennsylvania hat gezeigt, dass durch die demokratische Partei ein Riss läuft. Am Ende könnte weder ein Schwarzer noch eine Frau, sondern ein 72-jähriger Veteran ins Weiße Haus ziehen.

Lachende Dritte sind John McCain und seine Republikaner. Zwar ist nur vorübergehend vergessen, dass auch die Konservativen mit ihrem in gesellschaftlichen Fragen liberalen Kandidaten große Probleme haben. Aber seine Chancen werden umso besser, je länger sich die Demokraten zerfleischen. Die Wahl am 4. November verspricht genauso spannend zu werden wie die Vorwahl.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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