Lage in der Chemie weiter schlecht – Experten raten zum Abwarten
Analysten bevorzugen vorerst die Spezialchemie

Chemieaktien haben sich von den Rückschlägen im vorigen Jahr erholt und sind zum Teil wieder hoch bewertet. Analysten warnen vor neuen Kursrückgängen in den kommenden Wochen, rechnen aber mit einer Besserung im zweiten Halbjahr. Vorerst empfehlen sie die Aktien robuster Spezialchemiekonzerne.

HB DÜSSELDORF. Klare Aussagen wirken manchmal verschreckend: "Die chemische Industrie war und ist noch immer in der schwierigsten Phase seit Jahrzehnten", ließ Michael Parker, der Chef von Dow Chemical, verlauten, als der weltgrößte Chemiekonzern vor einer Woche die Zahlen für das vierte Quartal vorlegte - sie waren schwach. Prompt reagierten die Aktionäre der europäischen Chemiekonzerne: Die Kurse von BASF, Bayer und Co. verloren an den Börsen kräftig.

So ganz überzeugt scheinen die Anleger von dem bevorstehenden Aufschwung demnach noch nicht zu sein. Zuvor hatten sie in der Hoffnung auf eine baldige konjunkturelle Erholung die Chemiaktien europaweit aus dem Keller geholt. Schließlich gilt die Chemie als Branche, die vom Anspringen des Konjunkturmotors früh profitiert.

Chemieaktien sind bereits hoch bewertet

Allein in den vergangenen drei Monaten schlugen die Chemieaktien im Index DJ Stoxx den Gesamtindex um 5,5 %. "In Erwartung des Aufschwungs sind Chemieaktien wie die von BASF bereits hoch bewertet", sagt Analyst Ludger Mues von der Bank Sal. Oppenheim - und das trotz des jüngsten Rückgangs. Lohnt sich derzeit dennoch der Einstieg in die zyklischen Werte?

Analysten bleiben beim Blick auf die gesamte Chemiebranche vorsichtig, auch wenn sie eine Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr annehmen. Derzeit bevorzugen Banken wie Credit Suisse First Boston, UBS Warburg und ABN Amro und Sal. Oppenheim Konzerne aus der Spezialchemie, die im Vergleich zur Konkurrenz stabilere Erträge versprechen.

Die Lage in der Chemie bleibt vorerst kritisch, wichtige Indikatoren zeigen nach Einschätzung von Mues noch keine Entwarnung: Die Verkaufsmengen sind niedrig und der Preisdruck hält an. Auch der Preis für Ethylen, einem der wichtigsten Basisstoffe etwa für Kunststoffe, zeige noch keine Besserung. "Steigende Gewinne", folgert der Analyst, "sind nicht vor dem dritten Quartal 2002 zu erwarten."

Erstes Halbjahr bleibt schwierig

Die Credit Suisse First Boston (CSFB) geht davon aus, dass das erste Halbjahr für die Chemie ähnlich schwierig sein wird, wie das zweite im Jahr 2001. Die Bank schätzt, ebenso wie die Industrie, dass der Wendepunkt im zweiten Halbjahr kommen wird. Dann dürften Chemieaktien auf breiter Front profitieren.

Ein geeigneter Zeitpunkt, um Chemieaktien zu kaufen, ist nach Ansicht von Mues der Schluss der derzeitigen Berichtssaison. Dann seien mögliche negative Überraschungen bei den Jahreszahlen der Konzerne raus, die bis Mitte März noch für Kursrückgänge sorgen könnten. Beispiel: Allein gestern drückte der schwache Ausblick der Celanese AG die Aktien von BASF und Bayer um mehr als 2 %.

Top-Wert für Sal. Oppenheim, Goldman Sachs und UBS Warburg ist die niederländische DSM NV. Der Konzern steht kurz vor der Trennung von der Petrochemie und will sich auf Wachstumsgebiete wie Feinchemie, Nahrungsmittelzusätze und Hochleistungskunststoffe konzentrieren. Unter den Chemieanalysten überwiegen die Kaufempfehlungen. Die Kursziele für DSM auf Zwölfmonatssicht liegen zwischen 50 (Rabobank) und 55 Euro (UBS Warburg). Gestern lag der Kurs bei 44 Euro.

CSFB stuft Spezialchemiehersteller auf "Kauf" herauf

Die CSFB hat die Aktien fast sämtlicher europäischer Spezialchemiehersteller auf "Kauf" heraufgestuft. Zu ihnen gehören die Schweizer Konzerne Ciba und Clariant und die deutsche Degussa AG. Die Bank hält die Spezialchemie für den Aufschwung besser gerüstet als Massenchemieproduzenten, wie zumindest zum Teil BASF einer ist. Der Druck in der Basischemie werde wegen Überkapazitäten anhalten, analysiert die Bank. Aus Sicht der UBS Warburg ist BASF dagegen einer der Werte, die vom Aufschwung am schnellsten profiteren werden.

Zu den Spezialchemiekonzernen mit robusten Gewinnen, die auf den Empfehlungslisten ganz oben stehen, zählt auch der Schweizer Riechstoffhersteller Givaudan. Die Deutsche Bank stuft die Aktie bei derzeit 545 sfr noch als unterbewertet ein. UBS Warburg sieht beim Pflanzenschutz-Weltmarktführer Syngenta auf mittlere Sicht noch Potenzial nach oben (Kursziel 100 sfr).

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