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Lage in Nadschaf völlig unübersichtlich

Nach dem angeblichen Abzug schiitischer Milizionäre aus der Imam-Ali-Moschee in Nadschaf blieb die Lage in der irakischen Stadt am Freitag unübersichtlich. Außerhalb des heiligen Bezirks kam es weiter zu Kämpfen.

dpa NADSCHAF/KAIRO. Nach dem angeblichen Abzug schiitischer Milizionäre aus der Imam-Ali-Moschee in Nadschaf blieb die Lage in der irakischen Stadt am Freitag unübersichtlich. Außerhalb des heiligen Bezirks kam es weiter zu Kämpfen.

Das irakische Innenministerium und Augenzeugen hatten zunächst berichtet, die irakischen Sicherheitskräfte seien am Nachmittag ohne Gegenwehr in den heiligen Bezirk eingedrungen und hätten mehr als 400 Milizionäre festgenommen. Ein Sprecher von Muktada el Sadr, dem Anführer der aufständischen Schiiten, sagte dem arabischen Sender El Dschasira, seine Kämpfer hätten die Moschee verlassen. Die Polizei habe den heiligen Bezirk aber nicht betreten.

Nach Angaben des US-Senders CNN erklärte die Polizei in Nadschaf, dass sie nicht auf das Gelände der Moschee vorgedrungen sei. Ein anderer Sprecher El Sadrs sagte CNN, seine "Mahdi-Armee" kontrolliere das Heiligtum weiterhin. Auch das amerikanische Verteidigungsministerium erklärte, die irakischen Sicherheitskräfte hätten noch keine Kontrolle über den heiligen Ort. In der vor mehr als zwei Wochen von El Sadrs Milizionären besetzten Moschee hatten sich zuletzt noch rund 700 Kämpfer aufgehalten. Die Imam-Ali-Moschee ist eine der wichtigsten heiligen Stätten der Schiiten weltweit.

Der Aufenthaltsort des Schiitenpredigers war unbekannt, nachdem er zuvor noch mit einem dpa-Mitarbeiter in einem Büro in Nadschaf gesprochen hatte. Dabei hatte er gesagt: "Ich habe heute den Befehl gegeben, die Schlüssel zum Heiligtum des Imam Ali bin Abi Talib an die hohen Religionsgelehrten in Nadschaf zu übergeben, damit habe ich ihrem Wunsch entsprochen." Er habe sich außerdem zu diesem Schritt entschlossen, um zu verhindern, "dass dieser heilige Ort durch die Besatzungstruppen entweiht wird und damit keine ungläubigen amerikanischen Soldaten ihn betreten".

Der junge Prediger erklärte weiter, er werde der Forderung der Übergangsregierung in Bagdad, seine Miliz aufzulösen, auf keinen Fall Folge leisten. Er rief seinen Anhängern, die ihn während des dpa- Gesprächs umringten, zu: "Vertreibt diese Ungläubigen mit aller Kraft, die euch zur Verfügung steht!" An die Adresse des Ministerpräsidenten der Übergangsregierung, Ijad Allawi, der ihn am Donnerstag erneut aufgefordert hatte, den bewaffneten Widerstand aufzugeben und stattdessen bei den Wahlen zu kandidieren, sagte er: "Ich habe mich am politischen Prozess in einem besetzten Irak nicht beteiligt und werde dies auch künftig nicht tun."

In der Nacht zum Freitag war in Nadschaf heftig gekämpft worden, wobei rund 70 Iraker ums Leben kamen, darunter nach Angaben von Ärzten 18 Zivilisten. Die Polizei erklärte, in der Altstadt seien sechs Häuser und zwei Pilgerhotels zerstört worden.

Bei US-Luftangriffen im westirakischen Falludscha starben nach Krankenhausangaben vier Menschen. Augenzeugen berichteten, die Amerikaner hätten nach Mitternacht Ziele in drei Stadtvierteln bombardiert. Die US-Armee in Falludscha teilte mit, am Mittwoch und Donnerstag seien in der Provinz El Anbar zwei amerikanische Soldaten getötet worden. Ein weiterer US-Soldat starb nach Angaben von CNN, als sein Patrouillenfahrzeug am Freitag in der Stadt Samarra auf auf einen Sprengsatz fuhr.

Auch in Bagdads Armen-Vorstadt Sadr-City, die zum Teil von El Sadrs "Mahdi-Armee" kontrolliert wird, gab es bei Kämpfen zwischen Milizionären und US-Soldaten erneut Tote. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden in dem Schiitenviertel seit Donnerstag zehn Iraker getötet und 90 weitere verletzt.

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