Lage in Passau immer kritischer
Jahrhundert-Hochwasser erwartet

Die Hochwasserlage in Passau (Bayern) spitzt sich weiter zu. Nach Angaben der Polizei steigt der Pegel der Donau weiter an. Unwetter in Sachsen haben bis Dienstagmorgen zwei Menschenleben gefordert. Die Pegelstände in den Katastrophengebieten steigen weiter.

HB/ddp PASSAU/BERLIN. Kurz nach sechs Uhr morgens stand er bei 10,30 Metern. Gegen Mittag wird ein Rekordstand von 10,70 Meter erwartet. "Die schweren Niederschläge im Bayerischen Wald machen uns große Sorgen", sagte ein Polizeisprecher. Der Passauer Rathausplatz steht mehr als einen Meter tief unter Wasser. Die Innenstadt ist für den Autoverkehr nicht mehr erreichbar. Über 900 Helfer sind in der Stadt im Dauereinsatz. Das Wasser steige weiter, aber nicht mehr so schnell, weil es sich vor der Stadt auf Überflutungsflächen verteile, sagte der Sprecher. Von Entspannung könne aber keine Rede sein, hieß es.

Mit Sorge blickten die Einsatzkräfte in der Donau-Stadt auf die Ilz. Sie bringt wachsende Wassermengen aus dem Bayerischen Wald. Dort gab es in der Nacht ergiebige Regenfälle. In den anderen Unwettergebieten Bayerns beruhigt sich nach Angaben der Polizei die Lage allmählich.

In Reichstedt bei Dippoldiswalde wurde ein Mann von den Fluten mitgerissen. Er habe nur noch tot geborgen werden können, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Dresden. Am Montag war in der Landeshauptstadt eine Frau beim Wasserschöpfen in ihrem voll gelaufenen Keller tot zusammengebrochen.

Insgesamt sieben Menschen werden vermisst. Die im bayerischen Passau erwartete Hochwasserwelle der Donau verspätete sich. Zudem könnte sie geringfügig niedriger ausfallen als ursprünglich befürchtet, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabs der Stadt am Dienstagmorgen.

Der Deutsche Wetterdienst hatte in der Nacht zum Dienstag eine weitere Unwetterwarnung für Sachsen herausgegeben. Am schwersten betroffen wurde das mittlere Erzgebirge. Die Situation um Aue und Schwarzenberg war kritisch. Die Talsperren Malter und Lichtenberg liefen über. Die Pegel der Zwickauer und die Freiberger Mulde steigen immer noch. In Döbeln und Grimma wurden Straßen überflutet. In Waldheim bei Döbeln gab es erste Evakuierungen. Der Elbpegel in Dresden erreichte am Dienstagmorgen um 2.45 Uhr die Marke von 6,40 Meter.

Nach Expertenansicht sind die jüngsten Unwetter nicht mit dem Klimawandel erklärbar. Für den Münchner Meteorologen Joachim Reuder sind die heftigen Niederschläge nichts Ungewöhnliches, "auch wenn man natürlich das Gefühl hat, dass solche Ereignisse in letzter Zeit zugenommen haben". Entwarnung kann der Forscher an der Ludwig-Maximilians-Universität jedoch nicht geben: Die zerstörende Wirkung einzelner Starkregen werde in Zukunft noch weiter zunehmen, auch wenn die Sommer insgesamt sogar trockener würden, sagte Reuder.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%