"Lage ist derzeit ruhig"
Ausnahmezustand in der Elfenbeinküste - Mindestens 36 Tote

Der neue Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, hat nach schweren Ausschreitungen mit mindestens 36 Toten den Ausnahmezustand verhängt.

dpa ABIDJAN/BERLIN. Der am Sonntag gewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, hat nach schweren Ausschreitungen mit mindestens 36 Toten am Donnerstag den Ausnahmezustand über das westafrikanische Land verhängt. Für die Wirtschaftsmetropole Abidjan wurde zudem eine Ausgangssperre angeordnet. Anhänger Gbagbos lieferten sich mit Gefolgsleuten des früheren Premierministers Alassane Ouattara blutige Straßenschlachten. Als der Mob Ouattaras Haus stürmen wollte, flüchtete dieser in die deutsche Botschaft in Abidjan.

Gbagbo sollte noch am Abend vereidigt werden. Ouattara fordert Neuwahlen, da er vom abgedankten Juntachef Robert Guei daran gehindert wurde, an der Präsidentenwahl teilzunehmen. Gbagbo lehnt dies ab. Ouattara ist in der Botschaft, bestätigte das Auswärtige Amt auf Anfrage in Berlin. Man setze nun auf eine schnelle Lösung, hieß es. «Die Lage ist derzeit ruhig», sagte eine Sprecherin. Vor Ouattaras Haus sollen mindestens vier Leichen liegen. Journalisten sagten, wahrscheinlich seien insgesamt deutlich mehr als 36 Menschen umgekommen.

Die von Gbagbo wieder eingesetzte Wahlkommission teilte im staatlichen Fernsehen mit, Gbagbo habe die Wahl mit 59,36 Prozent der Stimmen gewonnen, Guei sei lediglich auf 32,72 Prozent gekommen. Guei hatte die Wahlkommission nach ersten Ergebnissen, bei denen Gbagbo vorn lag, aufgelöst. Wo sich Guei aufhielt, war unklar. Berichte, er sei nach Benin geflogen oder er halte sich weiterhin in seiner Villa in Abidjan auf, konnten nicht bestätigt werden. Unterdessen stellte sich die Armeeführung hinter Gbagbo.

Ouattara verlangte umgehend Neuwahlen, da der Urnengang «völlig ungültig» gewesen sei. Auch der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki sprach sich wie eine Reihe afrikanischer Staaten für rasche «demokratische» Wahlen in der Elfenbeinküste aus. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich scheint jedoch einen Präsidenten Gbagbo akzeptieren zu wollen. Der 55-jährige Gbagbo erklärte, er arbeite an der Bildung einer neuen Regierung. Sein Ziel sei die nationale Versöhnung. Internationale Verpflichtungen der Elfenbeinküste würden eingehalten.



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