Lage schlechter als befürchtet - Krisengespräche vertagt
Spitzengespräch zur Kostensenkung bei Lufthansa vertagt

Die Situation der Lufthansa ist laut Vorstand Wolfgang Mayrhuber schlechter als bisher angenommen und erfordert daher weitere Sparmaßnahmen. Ohne drastische Kostensenkungen ist im Passagiergeschäft der Lufthansa "jeder vierte bis fünfte Arbeitsplatz" gefährdet.

dpa FRANKFURT. Die rund 70 000 Mitarbeiter der Lufthansa können noch auf eine Bewältigung der aktuellen Krise der Fluggesellschaft ohne den Verlust von Arbeitsplätzen hoffen. Die Spitzen von Konzern, Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und Pilotenvereinigung Cockpit vertagten am Freitag nach rund fünf Stunden ihre Gespräche zur Kostensenkung. Sie sollen kurzfristig fortgesetzt werden, um Entlassungen zu verhindern. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hat in diesem Zusammenhang unter anderem eine Vier-Tage-Woche bei entsprechendem Lohnverzicht vorgeschlagen.

Über die Details des Treffens, an dem neben Weber auch die Vorsitzenden von Verdi und Cockpit, Frank Bsirske und Thomas von Sturm teilnahmen, wurde Stillschweigen vereinbart. Alle Beteiligten seien sich einig gewesen, dass mit einer "kurzfristigen und nachhaltigen Erholung der Situation nicht gerechnet werden kann", hieß es am Freitag. "Vorrangiges Ziel ist es, betriebsbedingte Kündigungen wo immer möglich zu vermeiden", sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Gleichzeitig seien weitere Anstrengungen zur Eindämmung der massiven Einnahme- und Erlösrückgänge nötig. Cockpit bezeichnete das Gespräch als "konstruktiv".

Ohne einschneidende Maßnahmen jeder vierte bis fünfte Arbeitsplatz gefährdet

Ohne einschneidende Maßnahmen ist im Passagiergeschäft der Lufthansa nach Einschätzung des Vorstandes "jeder vierte bis fünfte Arbeitsplatz" gefährdet. Wolfgang Mayrhuber, bei Lufthansa im Vorstand zuständig für den Bereich Passage mit rund 30.000 Beschäftigten, bezeichnete die Situation in der Mitarbeiterzeitschrift "Lufthanseat" als dramatischer, "als wir selber noch vor Wochen erwartet haben". Das Unternehmen verliert zur Zeit nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro (97,9 Mio DM) pro Woche.

Nach Angaben von Mayrhuber fehlen der Lufthansa im Schnitt pro Tag 30 000 Passagiere. Im Oktober sei die Nachfrage nach Nordamerika-Flügen bislang um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken, in Europa seien die Resevierungen um 15 Prozent gefallen, für innerdeutsche Verbindungen um 12 Prozent. Im vergangenen Jahr saßen im Schnitt rund 130.000 Menschen pro Tag in Lufthansa-Maschinen.

Airline schließt operativen Verlust zum Jahresende nicht mehr aus

Die Airline rechnet im vierten Quartal mit Umsatzeinbußen von 350 bis 500 Millionen Euro, sollte die Nachfrage weiterhin so gering bleiben. Inzwischen wird auch ein operativer Verlust zum Jahresende nicht mehr ausgeschlossen. Im August war noch von 700 bis 750 Millionen Euro Gewinn die Rede gewesen.

Die Lufthansa hat unterdessen 28 Flugzeuge stillgelegt, bis Anfang Januar wird es rund 300 Flüge weniger pro Woche geben als vor den Anschlägen vom 11. September. ver.di hatte zu verstehen gegeben, dass Änderungen der tariflichen Arbeitszeit nur das letzte Mittel zur Vermeidung von Entlassungen sein dürften.

Neben den Folgen des Terrors macht der Lufthansa die schlechte Konjunktur zu schaffen. Allein durch den verstärkten Umstieg der Fluggäste von der Business- in die Economy-Class werde zur Zeit täglich ein Geldwert vernichtet, der sechzig Jahresarbeitsplätzen entspreche, sagte Mayrhuber.

Der Aktienkurs der Lufthansa setzte am Freitag nach zuletzt stabiler Verfassung erneut zu einer Talfahrt an. Bis Mittag verlor das Papier in einem schwachen Marktumfeld um 3,5 %.

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