Lage von Swiss bleibt dramatisch
Krise zwingt zu Neuordnung am Himmel

Die schwere Krise der internationalen Luftfahrt treibt die europäischen Fluggesellschaften in eine neue Konsolidierungswelle. Europas Marktführer British Airways schließt eine Übernahmeofferte für den heimischen Konkurrenten Virgin Atlantic nicht aus, um dessen Zusammenschluss mit dem Wettbewerber BMI British Midland zu unterbinden. Zugleich verhandelt die schwer angeschlagene Schweizer Gesellschaft Swiss nach eigenen Angaben auch mit der Lufthansa über eine Partnerschaft. Das Unternehmen feilt zudem an Plänen, das Flugprogramm drastisch auszudünnen.

FRANKFURT/M. Die von staatlichen Reglementierungen gefesselte Branche kommt damit wieder in Bewegung. Sollten die Pläne Wirklichkeit werden, würden sie das Gesicht der europäischen Luftfahrt verändern.

"Wir beobachten die jüngsten Entwicklungen und wollen keine Option ausschließen", sagte ein Sprecher von British Airways. Die BA-Manager wollen sich heute treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Experten bewerten den Vorstoß der Briten als verzweifelten Versuch, die Fusionsgespräche der Konkurrenten noch zu torpedieren. Eine Verbindung von BA und Virgin würde erhebliche kartellrechtliche Probleme aufwerfen, da die beiden Airlines die einzigen britischen Gesellschaften sind, die Flüge in die USA anbieten.

Virgin hatte Ende vergangener Woche überraschend mitgeteilt, mit BMI über eine Fusion zu verhandeln. Inzwischen ruderten die Gesellschaften jedoch zurück: Ein BMI-Sprecher sagte, mit Virgin werde über verschiedene Möglichkeiten einer Kooperation verhandelt, dies seien jedoch keine Fusionsgespräche mehr.

Die Fluggesellschaften stecken in einer der schlimmsten Krisen ihrer Geschichte. Terrorangst, Irakkrieg, die Lungenseuche SARS sowie die Konjunkturflaute lähmen die Luftfahrtunternehmen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet damit, dass einige große Netzwerkanbieter in diesem Jahr Verluste schreiben werden und kleineren Gesellschaften die Insolvenz droht. Der Druck auf die Branche wächst, sich neu zu ordnen. Bereits in der vergangenen Woche hatte die italienische Fluggesellschaft Alitalia ein Zusammengehen mit einem Wettbewerber bis hin zur Fusion als unumgänglich bezeichnet.

Auch die tiefrote Zahlen schreibende Swiss sucht händeringend nach neuen Partnern. Die Gesellschaft führe Gespräche mit mehreren Airlines, darunter der Lufthansa, über eine engere Zusammenarbeit, sagte Swiss-Sprecher Dominik Werner. Lufthansa wollte diese Aussagen nicht kommentieren.

Es gebe jedoch keine Verhandlungen über eine Fusion oder finanzielle Beteiligung der größten deutschen Fluggesellschaft, betonte der Swiss-Sprecher. Damit entzog er Spekulationen den Boden, denen zufolge Lufthansa die Schweizer Gesellschaft übernehmen wolle. Swiss-Vorstandschef Andre Dosé hatte diese selbst angeheizt, als er solche Gespräche kürzlich "noch nicht" kommentieren wollte.

Ein Partner für Swiss muss jedoch her: Wenn die Gesellschaft nicht mit einem Partner fusioniere, sei sicher, "dass die Swiss nicht mehr überlebensfähig sein wird", hatte der Swiss-Chef bereits zuvor zugegeben. Allerdings müsse Swiss zunächst aus eigener Kraft die Kosten senken, sonst werde das Unternehmen keinen Käufer finden.

Deshalb erwägen die Schweizer jetzt, ihre Kapazitäten erneut drastisch zu reduzieren, wie Werner einräumte. Einem Medienbericht zufolge soll die Flotte um mehr als 40 % reduziert werden. Jede dritte der rund 9 000 Stellen solle wegfallen. Es handele sich um eine von mehreren Optionen, die Swiss prüfe, räumte der Sprecher ein. Der neue Geschäftsplan soll nach Angaben der Gesellschaft Ende Juni vorgelegt werden. Die Aktie reagierte darauf mit einem Höhenflug und legte zeitweise um 20 % zu.

Doch die Lage von Swiss bleibt dramatisch. Im ersten Quartal sind möglicherweise erneut Verluste in dreistelliger Millionenhöhe aufgelaufen. Genaue Zahlen sollen Ende Mai auf den Tisch. Erfolglos bemühte sich Konzernchef Dosé bisher um Allianzpartner für die Nachfolgerin der im Herbst 2001 Bankrott gegangenen Swissair. Luftfahrtexperten halten den Schweizer Heimatmarkt für viel zu klein, um von Zürich aus profitabel Langstreckenflüge anzubieten.

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