Lagerbestände, Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung rückläufig
In der US-Wirtschaft wächst die Angst vor einer Rezession

Die neuesten Konjunkturdaten aus den USA haben die Angst vor einem beschleunigten Abschwung verschärft: Lagerbestände, Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung sind rückläufig.

HB WASHINGTON/DÜSSELDORF. Die Lagerbestände fielen im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,4 % auf saisonbereinigt 1 190 Mrd. Dollar. Das ist der größte Rückgang seit drei Monaten. Zugleich revidierte das Handelsministerium in Washington am Mittwoch den Wert für Mai von 0 auf-0,2 %.

Die Geschäftsverkäufe gingen im Juni um 1,4 % zurück. Das ist der tiefste Wert seit neun Jahren. Im Vormonat waren die Verkäufe noch um 0,9 % gestiegen. Der Trend bei der Lagerbeständen ist seit dem Abrutschen der US-Wirtschaft in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres rückläufig. Nach Einschätzung von Analysten wird der Abbau überschüssiger Lagerbestände anhalten, um die Schere zwischen Warenangebot und Verkäufen zu schließen. Erst danach könne die Produktion wieder angekurbelt werden.

Rückgang der Kapazitätsauslastung

Die US-Industrieproduktion sank im Juli im zehnten Monat in Folge und zwar um 0,1 % gegenüber Juni. Der Rückgang im Juni wurde von-0,7 % auf-0,9 % revidiert. Im Vergleich zum Vorjahr war die Industrieproduktion 3,2 % niedriger. Wie die Federal Reserve Bank weiter mitteilte, ging die Kapazitätsauslastung im Juli auf 77,0 % zurück. Das war der tiefste Stand seit 1983. Für den Juni wurde die Kapazitätsauslastung auf 77,2 % (vorläufig: 77,0) revidiert.

Nach der Einschätzung von Analysten liegen die neuesten Daten auf einer Linie mit dem kürzlich verabschiedeten Beige-Book-Bericht der Fed, der eine weitere Abschwächung im verarbeitenden Gewerbe konstatierte. Es sei daher wahrscheinlich, dass der Offenmarktausschuss der Fed am kommenden Dienstag die Zinsen erneut um 25 Basispunkte senken werde.

Im Lichte der neuesten Daten wird nun mit Spannung der revidierte Wert für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal erwartet, den das Handelsministerium am 29. August vorlegen will. Ob es bei dem Wachstum von 0,7 % zum Vorquartal, hochgerechnet auf ein Jahr, bleibt, hängt neben den gestern veröffentlichten Indikatoren auch von den neuesten Zahlen zum Außenhandelsdefizit ab, die am Freitag veröffentlicht werden. Eine drastische Zunahme könnte dazu führen, dass das BIP möglicherweise unter die psychologisch wichtige Null-Marke abrutscht. Damit stünde die US-Wirtschaft definitiv vor der Gefahr einer Rezession. Amerikanische Analysten reden von Rezession, wenn das BIP in zwei aufeinander folgenden Quartalen zum Vorquartal abnimmt.

Das Hamburger Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) sieht allerdings weder für die USA noch in der übrigen Welt die Gefahr einer Rezession. Begründet wird dies in einer neuen Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft, die sich derzeit in einem "kräftigen Abschwung" befinde, mit dem Nachlassen konjunkturdämpfender Faktoren. So habe sich der Ölpreis auf etwa 25 Dollar je Barrel zurückgebildet. Das HWWA ist auch überzeugt, dass die amerikanische Wirtschaft die Talsohle erreicht hat. Allerdings sei das Tempo des künftigen Produktionsanstiegs sehr unsicher.

Erholung in der zweiten Jahreshälfte

Eine Erholung der US-Konjunktur erwartet das HWWA angesichts der Zinssenkungen und der expansiven Finanzpolitik noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres. Für die Stabilisierung der Weltkonjunktur sei die Überwindung der Konjunkturschwäche in den USA von großer Bedeutung, betont das Institut.

Während die dämpfenden Wirkungen von den USA auf die übrige Welt nachließen, gingen von den anderen Industrieländern nur geringe Impulse aus. In der Euro-Zone sieht das HWWA erst allmählich wieder stärkere Anregungen seitens der Auslandsnachfrage. Gestützt werde die Konjunktur hier zunächst durch das Nachlassen der Teuerung und die Steuerentlastungen. Dies komme dem privaten Konsum voraussichtlich noch im zweiten Halbjahr 2001 zugute. In der Folge würden auch die Investitionen etwas stärker steigen. Allerdings bleibe die IT-Schwäche bestehen.

Nach der Prognose fällt das Wachstum in der Euro-Zone 2001 stärker und 2002 etwas schwächer aus als in den USA.

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